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Miron Zownir
1953 aus Berlin [HomePage] [mail] [bookmark]
In Miron Zownirs fotografischem Werk zeigt sich die abgründige Wirklichkeit in den vermeintlichen Randzonen unserer Gesellschaft schonungslos und rüde, aber auch anziehend und poetisch. Jenseits aller Normen und Konventionen eröffnen sich Situationen und Momente voller Ekstase, Rausch, Melancholie oder Verzweiflung. Der menschliche Körper erscheint darin nicht selten als letzter Besitz, als Kleid einer sich entblößenden Seele, unidealisiert, schön oder eben hässlich.
Zownirs intuitive Nähe zu Außenseitern und seine offene, direkte Kommunikation mit dem jeweiligen Gegenüber machen ihn zu einem der außergewöhnlichsten und radikalsten Dokumentarfotografen unserer Zeit. Nicht selten wurde er während seiner fotografischen Recherchen angegriffen, inhaftiert oder nachträglich wegen angeblich pornografischer Themen zensiert. Dessen ungeachtet blieb Zownir ein Nahkämpfer, der bis zur Schmerzgrenze geht.
Bereits Ende der siebziger Jahre fotografierte Miron Zownir in Berlin und London die aufkommende Punkbewegung und ihr Lebensgefühl zwischen Anarchie und Selbstzerstörung. 1980 emigrierte er in die USA und lebte fünfzehn Jahre in New York, Los Angeles und Pittsburgh. In New York, der damals wohl faszinierendsten und freizügigsten Stadt der Welt, handelte Zownir sich schon nach kurzer Zeit den Ruf des „Teutonic Phenomenographer“ (Village Voice) ein.
In expressionistischem Schwarz/Weiß portraitierte er den vielgesichtigen, alltäglichen Wahnsinn der Metropole. Die Hoffnungslosigkeit in der Bowery. Die ungezügelte Lust auf den Gay-Parties kurz bevor die ersten prominenten Aidsopfer Schlagzeilen machten. Den Protest von Künstlern und schrägen Performern gegen die zunehmende Kommerzialisierung Manhattans. Die Schattenwelt der Drogensüchtigen, Huren, Psychopathen und traumatisierten Vietnamveteranen.
Mittlerweile legendär sind auch Zownirs Aufnahmen von den Sex Piers. Das stillgelegte und heruntergekommene Hafengelände zwischen dem Westside Highway und dem Hudson River, mit seiner Sonnenbadabteilung für Nudisten und den umliegenden „Hallen der anonymen Lust“, war unter Homosexuellen und Transsexuellen ein beliebter Treffpunkt für erotische Aktivitäten. Erst als ganz in der Nähe eine mit Stricken gefesselte männliche Leiche aus dem Hudson gefischt wurde und ein Amokläufer in einer benachbarten Bar mehrere Homosexuelle tötete, sorgten auch die Geschehnisse auf den Piers für Schlagzeilen. Von nicht wenigen Bürgern als Mekka der Perversionen, krimineller Unruheherd und Brutstätte für Krankheiten betrachtet, wurde das Gelände im Sommer 1982 von der Polizei gesperrt und teilweise abgerissen.
Bereits in den USA fotografierte Miron Zownir nicht nur, sondern verwirklichte sich ebenfalls als Drehbuchautor und Regisseur von acht Kurzfilmen, die zumeist von dem in New York lebenden Japaner Chosei Funahara, Mitbegründer der legendären Band Plasmatics, produziert wurden. Auch Alexandre Rockwell, der Jahre später als Regisseur von „In The Soup“ und „Four Rooms“ bekannt wurde, war als Kameramann mit am Werk. Dem japanischen Autor und Regisseur von „Tokio Decadence“ Ruy Murakami, dessen MARATHON MAN Zownir verfilmte, lieferte Zownir seinerseits mehrere Filmideen. In Pittsburgh, wo Zownir sich nach seinen Stationen in New York und L.A niederließ, filmte er mit Regisseur Lance Weiler als Kameramann DEAD END (1992).
1993 holte die Filmwerkstatt Münster Miron Zownir nach Deutschland. Dort entstand AUF OFFENER STRASSE, sein erster in Deutschland gedrehter Kurzfilm, ein Anti–Rassismus-Spot, der im Vorprogramm zahlreicher Kinos gezeigt wurde. Es folgte eine weitere Filmwerkstatt Münster Produktion, der Kurzfilm JETZT ODER NIE (1996), eine zynischen Gangsterballade, die im Rahmen des deutsch/holländischen Projekts „dialoog cultuur - NL in NRW“ realisiert worden ist.
Im Sommer 1995 reiste Miron Zownir, nach einer Fotografieausstellung im Erotic Art Museum Hamburg, im Auftrag des Museums nach Russland, um das Moskauer Nachtleben zu dokumentieren. Doch was er auf den Strassen Moskaus sah, veranlasste ihn das Thema seines Auftrages zu ändern. Statt in Nachtclubs und Diskotheken die neureiche Hautevolee abzulichten, fotografierte Zownir auf den Bahnhöfen und im Tunnelsystem der Straßenunterführungen Obdachlose, Sterbende und Tote. Er erlebte Moskau als „die aggressivste und gefährlichste Stadt“ in der er je war, ließ sich aber auch von russischen Milizen mit Kalaschnikows im Anschlag nicht davon abhalten den sozialen und moralischen Verfall der postsowjetischen Gesellschaft festzuhalten.
Zownirs Bilder aus Russland sind bitter und brutal, ihr Anblick verstört. Die menschliche Tragik der Armut, die sich darin enthüllt, gipfelt in der Einsamkeit und Würdelosigkeit des öffentlichen Sterbens. „Es war Dantes Inferno“, resümierte Zownir betroffen am Ende seiner dreimonatigen Recherche.
Dennoch nahm er weiterhin extreme Themen ins Visier: Im „Heiligen Jahr“ 2000 beobachtete er Pilger in Lourdes und begleitete einen spanischen Geißlerorden auf seinem Kreuzgang. Einige seiner Fotografien waren u.a. 2004 neben den Werken von Francisco de Goya, Pablo Picasso, Alfred Kubin oder Cindy Sherman in der Ausstellung „El salvaje europeo“ in Barcelona und Valencia zu sehen.
In Berlin, wo Miron Zownir seit seiner Rückkehr aus Russland wieder lebt, ist auch sein Filmportrait BRUNO S.- DIE FREMDE IST DER TOD (2003) als Koproduktion zwischen Virus Films und Icon Film entstanden. Die Dokumentation beleuchtet das Leben und die Vergangenheit von Bruno S., Hinterhofmusikant, Maler und ehemaliger Hauptdarsteller in zwei Werner Herzog Filmen. Der Film wurde 2003 im Panorama Programm der Berlinale, sowie auf zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt.
Zownir, der inzwischen mehrmals an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin als Gastdozent tätig war, führte ebenfalls bei VALUEV vs VIOLENCE (2006) Regie. In dem Anti-Gewalt-Spot äußert Nikolai Valuev, der russische Boxer und ehemalige Weltmeister im Schwergewicht, seine persönliche Meinung zum Thema Aggression.
Mit KEIN SCHLICHTER ABGANG gab Zownir 2003 sein Debüt als Romanautor. Der skurrile Pulp-Krimi erschien im Bremer MirandA Verlag, jetzt Mox&Maritz Verlag, dessen Programm auch Buchserien von Lydia Lunch, Henry Rollins und Harry Crews umfasst.
Seit dem schrieb Zownir die Romane DAS FALSCHE LÄCHELN DER SONNE und LANA, die Novelle Amoklauf der Gefühle, das Drehbuch für den Neo Noir Thriller SCHNEEBALL, sowie eine Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel PARASITEN DER OHNMACHT.
In seinen Erzählungen finden sich nicht nur die Orte in denen Zownir lebte wieder, sondern auch Bruchstücke seiner eigenen Biografie. Zownir schöpft aus seinem Reichtum an Erfahrungen und Erlebnissen, die er literarisch verdichtet im Reich der Fiktion zu einer pechschwarzen Symbiose zusammenführt.
Kompromisslos sprengt er dabei die Grenzen klassischer Pulp Stories und konfrontiert seine Leser mit der unbeliebten Richtung “Abwärts“. Dort unten in den Abgründen der menschlichen Existenz, gibt es keine Helden, nur Verlierer und Schicksale die Flüchen gleichen; ein Konglomerat aus Gewalt, Einsamkeit, Obsession und falscher Hoffnung.
Auch als Fotograf arbeitet Miron Zownir weiterhin mit konsequenter Kontinuität an verschiedenen Projekten. Nach RADICAL EYE – The Photography of Miron Zownir (Die Gestalten Verlag, Berlin) soll demnächst ein weiterer Fotoband mit neuen Arbeiten entstehen.
Es heißt von ihm, dass er auf eigenwillige Weise dort anknüpft, wo Diane Arbus und Weegee aufgehört haben. Doch Zownir selbst findet seinen künstlerischen Anspruch eher in einem Zitat aus „Das Schloss“ von Kafka beschrieben:
"Hat man die Kraft die Dinge unaufhörlich, gewissermaßen ohne Augenschließen anzusehen, so sieht man vieles. Lässt man aber nur einmal nach und schließt die Augen, verläuft sich gleich alles ins Dunkel."
Lebt und arbeitet in Berlin.
shop
auktion
termine
17.01 17.01.10 _19:30
Die Chinesische Wäscherei präsentiert Autorenlesung in Bremen.
Miron Zownir liest aus seinem neuen Buch PARASITEN DER OHNMACHT.
" 59 Sekunden von jeder Minute sind eh dem Leiden gewidmet, denke ich stur. Also wieso so ein Geschiss um Jesus mach
Die Friese
friesenstr 110
28203 bremen [...] 14.01 14.01.10 _21:15
In der Reihe NEUER DEUTSCHER FILM päsentiert das BABYLON Berlin/Mitte
die Kino-Weltpremiere von Miron Zownirs Spielfilm PHANTOMANIE
Am Donnerstag, den 14.Januar 2010
um 21:15 Uhr
in Anwesenheit des Regisseurs, der Darsteller und des Teams
T
BABYLON
Rosa-Luxemburg-Str. 30
Berlin-Mitte [...] 03.10 05.09.09 - 15.11.09
FOTOGRAFIE AUSSTELLUNG
mit Miron Zownir, Weegee , Cindy Sherman, Enrique Metinides, Nan Goldin, F. Holland Day, Peter Hujar, Miyako Ishiuchi, Sally Mann, W. Eugene Smith, Francesca Woodman u.v.a.
Nach der Ausstellung Darkside I – Fotografische
Fotomuseum Winterthur
Grüzenstrasse 44 + 45
CH-8400 Winterthur (Zürich) [...] galerie
Inhalt: 11
Miron Zownir
San Francisco 1980
[+][...]audio
video
lyrik.text
foto
podcast
youtube
Trailer
"BRUNO S.-DIE FREMDE IST DER TOD"
D 2002/2003, Dokumentarfilm #Regie Miron Zownir #Drehbuch Miron Zownir (Konzept) #Kamera Philipp Virus; Mirko Wache; Horst Herz #Musik Bruno S. #Produktionsfirma Icon Film (Köln) #Produzent Herbert Schwering; Philipp Reichenhei [+][...][c]
Trailer
THE ROAD TO NOD
THE ROAD TO NOD: D 2007, 89 min. s/w. R/B: M.A.Littler. P: David Meves (Slowboatfilms). Mit Delaney Davidson, Reverend Beatman, Alain Croubalian, Miron Zownir, Dominique Noiret, Chris Hughes, Manfred Peckl, Franz Dobler, Mischa de Hering
M.A.LITTLER [+][...][c]
Interview
sprechen mit Alec Empire und Miron Zownir
Peter Domsch und Mathias Weck sprechen mit Alec Empire und Miron Zownir über ihren neuen Film "Phantomanie". Ein Interview für MotorFM. [+][...][c]
Film.Trailer
PHANTOMANIE
"PHANTOMANIE" Trailer for upcoming film by Miron Zownir; music by Alec Empire [+][...][c]buch
Preis: 18 €
Miron Zownir #Parasiten der Ohnmacht
Wer auf Unterhaltung und Gemütlichkeit aus ist, dem wird Zownirs „Rasierklingenliteratur“ ziemlich weh tun.
Nach \"Kein schlichter Abgang\" ( 2003, #Mox & Maritz, Bremen 2009
[+][...][S]inserat
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