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Karl Siegel/ 2006

Kunst von Karl Siegel
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inseriert am 23.07.07
Hits: 2411

eigenes und angeeignetes zur exegese der kunstbetriebskunst

seit nunmehr zwanzig jahren ist mir der kunstbetrieb auch in den tiefsten inneren produktions- und rezeptionszirkeln vertraut. immer mal wieder ergiesse ich meinen hohn und spott auf das hehre hermeneutische gefasel von experten und kulturapostel, die aus jeder noch so abwegigen filzecke ein hochgeistiges extrakt herauspressen und jedem noch so dämlichen rasterquadrat spirituelle relevanz zuschreiben. doch selbst die hartnäckigsten dekuvrierungs- und entmystifizierungs- bestrebungen ignoriert der kunstbetrieb genauso eisern, wie der vatikan die zweifel an der jungfräulichen geburt. deshalb erwecken die alten soufleure jener bedeutungshuberei, die für die gegenwartskunst so notwendig ist, wie das amen in der kirche, immer wieder aufs neue das interesse an der wohldistanzierten beobachtung. wer wird schon vor einem wandbild aus orthogonalen farbkästchen, einem stuhl mit fetttupfer oder vor einem in formaldehyd eingelegten tierkadaver derart ästhetisch ergriffen reagieren, dass er diese gegenstände erwerben möchte, wenn ihre hohe bedeutung nicht schon fest ausgemacht ist und ihre feuilletonistische verehrung nicht einschlägige spalten füllen würde? gerade da erzeugt die moderne kunstkritik erstaunen: wo es ihr scheinbar mühelos gelingt, jedweden gemütsdekor, jedweden schwachsinn derart ins sakrosankte zu heben, dass kaum einer es wagt zu widersprechen oder berechtigten einspruch geltend zu machen. aber eben genau das ist es! die moderne kunstdeutung hat eine tiefe verwandschaft mit religiösen tabuisierungen. belange der kunst sind zu solchen des glaubens geworden und die affinitäten zwischen ästhetischer und theologischer ausdeutungkunst sind frappierend. kunstwissenschaftler, kuratoren und andere gut bezahlte postulierer reichern beliebige gegenstände und objekte mit bedeutung derart an, laden sie mit wertungen und allerlei erhellendem so auf, als käme dies von den dingen selbst. aber auch künstler können diese aussergewöhnliche strahlkraft entfalten, um ihren hervorbringungen den glanz des überall exemplarischen und ewig gültigen zu verleihen. dieser hermachungsprozess von kunst und künstler ist aber eben nur machination und konstrukt - also höheres marketing, das sich zuweilen auch schon mal unter der aura des renitenten versteckt hält. wie man mit hilfe von fein gedrechselten sätzen dem stupiden quadratraster magisches einverleibt, dem fettfleck oder dem eingelegten hering die kunstseele einhaucht wussten doch immer schon einige: die wandlungen von banalem brot und wein in kunsttheologisches fleisch und blut führt in den warenfetischismus, dem die kunstreligion immer schon zugetan war. bei so viel theologie gerät schliesslich auch der ablasshandel des kunstbetriebs in bewegung und lässt vom berg höchster ästhetischer erkenntnis ein bewusstseinschaffendes werk nach dem anderen ins tal der ahnungslosen gleiten. erst einmal im inneren regelkreis des fetischisierenden marktsystems angelangt, fungieren kunst und künstler höchst gedeihlich als eine art blankoscheck, in den geneigte kritiker und festlegungsspezialisten den stellenwert eintragen. drückt sich der zugeschriebene wert sodann in veritablen verkaufszahlen aus, ist der kunstklerus gern bereit, in der karriere des künstlers die begnadung zu entdecken, und schreitet fortan zur heiligsprechung. verflucht sei es, getrommelt und gepfiffen!


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