© sc.HAPPY Grossansicht, Zurück zur Gesamtübersicht #artdisc.org Mediathek

Kuba macht glücklich

Kuba macht glücklich


Kunst von sc.Happy
inseriert: 01.05.19
Hits: 104

artdisc.org Media Bild

Das Kind rennt nackt an schönen weiten Stränden herum, sammelt schwarze, langstachlige Seeigel, baut für diese eine schicke Seeigelwohnanlage mit allem Komfort ausgestattet. Dem Kind geht es prächtig, es fragt nicht nach der Mutter. Sein Haar bleicht von der Sonne aus, die Haut verfärbt sich in ein zartes Karamell. Wir unternehmen Ausflüge, besteigen auf eigene Gefahr die Plattformen kubanischer LKWs, stehen eingekeilt zwischen Arbeitern, sind als Passagiere die Sensation. Die Straßen sind voller Schlaglöcher. Wir hopsen mit den Leuten in die Höhe. Ein aufregender Rhythmus. Die Tochter jubelt. Die Feldarbeiter der Zuckerrohrplantagen sind gut drauf. Sie lieben das weißhäutige, blonde Kind. Sie helfen uns von der Ladefäche herunter, singen und klatschen zur Verabschiedung in ihre Hände und fahren lachend weiter. Wir sind danach in einer von diesen legendären Uraltkarossen unterwegs. Der Fahrer hat ein altes, faltiges Gesicht, er fährt uns zu den Proben für ein Tanzspektakel. Wir dürfen auf der Bühne frei herumlaufen, uns ungehindert unter die Akteure mischen. Die Tochter tanzt mit allen, am liebsten mit dem Mann, der im Korpus eines Pferdes steckt und sie drunter schlüpfen lässt. Das Kind wird umhergeführt, gedreht, geschoben, angehoben. Es ist sehr konzentriert bei der Sache. Ich bin alleinerziehend. Es ist unsere erste große Reise. Wir sind die perfekte Einheit. Unsere Harmonie wird nie zerstört. Überall freundliche Leute, die im Freien sitzen, im Sonnenschatten Alltägliches besprechen. Junge Kerle mit wohlgeformten Oberkörpern. Klapprige Autos im chaotischen Straßenverkehr. Gestank, Gesang, Gewimmel, Märkte, Wohlgeruch in unmittelbarer Aufeinanderfolge. Überall begegnen uns festlich gekleidete Kinder an der Seite ihrer festlich gekleideten Mütter, Väter, Omas und Opas, vereinzelt mit dicken Zigarren im Munde. Ziss, ziss schnalzen die Kubanerinnen, locken damit das Kind zu sich. Ehe ich mich versehe und ihr folgen kann, sitzt die Tochter im Schaukelstuhl, lässt sich von allen Seiten her bestaunen und verwöhnen. Wie gut man sich, ziss, ziss, ohne eine gemeinsame Sprache zu sprechen doch versteht. Ich fotografiere diesen schönen Moment, verspreche die Bilder zu vergrößern und zu ihnen nach Kuba zu schicken. Mein Lieblingsfoto aus jener wunderbaren Zeit zeigt einen Ellenbogen zum Spalt eines nur leicht geöffneten Busfensters heraus, auf dessen Haut sich Sonnenglanz spiegelt. Auf dem Flug zurück lässt das Kind seinen Plüschaffen liegen, und meint dazu nur: Dann findet ihn eben ein anderes Kind, und hat ihn so lieb wie ich.

 Ich, der Kommentator, habe AGB + DSGVO gelesen!