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coROMArresta VI

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Kunst von sc.Happy
inseriert: 20.03.20
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Wir leben und arbeiten hier in zehn Studios. Etwas entfernt von uns steht das schmale Haupthaus, in ihm sind die Büros und wirbeln in bessren Zeiten zig Mitarbeiter. Lieferanten, Kurzbesucher, Gäste, Römer, Ehemalige, Haushandwerker, Gärtner gehen ein und aus. Jetzt nicht mehr. Jetzt halten dort nur noch ein Praktikant, der Mann für Alles und die Chefin selbst zur Stange. Studionummer eins ist zur Zeit der italienweiten Sperre in Berlin gewesen, meint Anfang April wieder bei uns zu sein. Wir lassen sie in diesem irren Glauben. Wir haben uns aus ihrem Kühlschrank bedient, ihre Pflanzen zu uns genommen. Die zwei von Nummer fünf sind gestern in aller Herrgottsfrühe mit ihren Fahrrädern ins leere Rom hinein geradelt, wie Sportler angezogen und im Training befindlich getarnt. Sind zeitweise von fünf Polizisten begleitet worden. Was sie uns von der entvölkerten Metropole zu berichten hätten, wollen wir wissen. Alles sehr gespenstisch, die touristischen Stätten verwaist, nur noch Obdachlose in den Straßen, sonst weiter niemand zu sehen. Ob sie ihre Dokumente vorzeigen mussten? Name, Geburtstort, Herkunftsland, Wohnort in Rom, Telefonnummern, Mailadresse, erreichbare Kontaktpersonen. Mussten sie nicht, hatten sie aber brav dabei, wie wir alle, von der Deutschen Botschaft dazu verdonnert. Einkaufen dürfen wir, aber immer nur eine Person und in der nächstliegenden Einrichtung. Andrea und ich sind trotzdem zu zweit los und stattdessen in den nahen Markt gegangen. Solange wie der noch auf hat. Allein mit sich vorm Supermarkt unendliche Zeiten damit zuzubringen mit Riesenabstand in einer superlange Schlage zu stehen erinnert an DDR-Zeiten. Glück für uns die kleine Markthalle. Polizei und Aufpasser auch dort allgegenwärtig. Gehen richtig dazwischen, fordern die Leute auf Abstand zu halten. Am Stand die Nummer ziehen, nichts anfassen, nur drauf zeigen, sich vom Personal bedienen lassen. Am Abend haben wir dann ein Essen gegeben, den Praktikanten aus Nummer drei, den Komponisten aus Nummer vier und Nummer fünf dazu eingeladen, weil sie durch die Situation allein in ihren Studios hocken, gegenüber uns die härteren Lebensprüfungen durchstehen müssen. Es gab Kohlrouladen, für die Vegetarier Linsensuppe mit Ingwer. Wir haben über alles gesprochen, auch darüber wie es sein wird Danach. Einhellige Zustimmung erhielt ich für den Satz: Es gibt kein Nachcorona, weil es kein Vorcorona gegeben hat.