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29.07.21   22:55:25

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Vor 75 Jahren erklärte der US - General Clark im Namen der Westallierten die Kündigung des mit der Sowjetunion abgeschlossene Reparations-Abkommen für Deutschland. Damit wurde der Sowjetunion die Möglichkeit genommen, sich in den Westzonen Werte zu holen im Sinne der Entschädigung (Reparationen) für die von Deutschland in der SU angerichtete Zerstörungen. Wer zahlte nun für die von der Wehrmacht angerichteten Verwüstungen in der Sowjetunion? Die Ostzone bzw. die DDR mußte für ganz Deutschland einstehen. Das führt heute zu der spannenden Frage: konnte Ostdeutschland sich jemals von dieser gewaltigen Bürde erholen? 1. Die Frage der Reparationen wurde in der deutschen Öffentlichkeit bisher wenig behandelt, weder in der DDR, noch in der BRD. Das ist merkwürdig, denn diese Reparationsleistungen waren enorm. Und diese Reparationsleistungen haben auf die Nachkriegsentwicklung der beiden deutschen Staaten entscheidende Auswirkungen gehabt und sie wirken - zumindest politisch/ideologisch bis in die heutigen Tage fort. Denn de facto haben nur die DDR bzw. die SBZ Reparationsleistungen im Namen ganz Deutschlands für die Sowjetunion erbracht. 2. Die Vorgeschichte: Auf der Potsdamer Konferenz 1945 der Sowjetunion, USA, GB und Frankreich wurde festgelegt, daß die Allierten sich die Reparationsleistungen aus ihren jeweiligen Besatzungszonen entnehmen können. Die Schäden bei den 3 Westmächten waren im Vergleich zu den Schäden der SU marginal. Der SU wurde deshalb als der am meisten geschädigten Macht zugestanden, sich auch in den Westzonen bedienen zu können. Dieses Zugeständnis wurde allerdings mit Beginn des kalten Krieges aufgehoben, wie eben dieser General Clark im Juli 1946 verkündete. 3. Damit hatte die sowjetische Besatzungszone und später die DDR fast das ganze Last der Reparationen für die UdSSR zu tragen. In Preisen von 1953 hat die DDR Reparationen in Höhe von 99,1 Milliarden DM in Sachwerten geleistet - die BRD 2,1 Milliarden DM. Insgesamt hatte jeder Ossi im Vergleich zu einem Wessi über all die Jahre das 130-fache an Reparationen zu tragen gehabt. Konkret bedeutete das für Ostdeutschland in den 7 Jahren unter anderem: - die SU demontierte 2000 der existierenden 2400 Industriebetriebe; - abgebaut wurden 11.800 km Schienen der Eisenbahn (48% des Schienennetzes); - aus der laufenden Produktion wurden 22% an Sachwerten entnommen. Das änderte sich erst nach dem 17. Juni 1953: die Sowjetunion verzichtete damals ab sofort auf weitere Reparationleistungen seitens der DDR. Vermutlich erkannte die neue Führung unter Chrustschow, daß die DDR den ökonomischen Aderlass nicht mehr länger ertragen konnte. Aber der Schaden war schon angerichtet. 4. In einem vergleichbaren Zeitraum - nämlich ab 1948 bis 1952 hatte die BRD nicht nur alle Reparationsleistungen eingestellt, sondern sie erhielt über den Marshall - Plan sogar noch Kredite in Höhe von 1,4 Milliarden US$ und erlebte einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. 5. Diese Konstellation führte zu einem ökonomischen und damit auch sozialen Rückstand der DDR gegenüber der BRD, von dem sich unser Land schwerlich erholen konnte. 6. Für die DDR- Führung bestand das Perverse dieser Situation damals darin, daß sie unserer Bevölkerung die Ursachen des Zurückbleibens der sozialistischen DDR gegenüber der kapitalistischen BRD nicht darstellen konnte. Denn wenn sie die o.gen. Gründe für unser Zurückbleiben gegenüber der BRD offen dargestellt hätte, wäre das nicht nur ein böser Affront gegenüber unserem wichtigsten Verbündeten (UdSSR) gewesen. Unsere Parteiführung hätte mit einem riesigen Vertrauensverlust seitens eines großen Teils unserer Bevölkerung rechnen müssen: Vermutlich wäre die Republikflucht noch viel größer geworden. 7. Stattdessen tat unsere Führung ab Mitte der fünfziger Jahre das vermutlich einzig Richtige: auf die Kraft der befreiten Arbeit setzen und damit den Bürgern eine Perspektive zu bieten, ohne den wichtigsten Verbündeten in Gestalt der UdSSR zu verprellen. Drei Schlußfolgerungen 1. Es waren die Ostdeutschen allein, die im ökonomischen Sinne für die Kriegsschuld gegenüber der Sowjetunion aufgekommen sind. 2. Durch diese unsere Leistungen hatten wir - die Deutsche Demokratische Republik - bei unserem Versuch, eine fortschrittliche Gesellschaftsordnung aufzubauen im Wettbewerb mit der kapitalistischen BRD kaum eine Chance zu siegen gehabt. 3. Das, was unter den gegebenen Bedingungen trotz aller Schwierigkeiten als alternatives deutsches Gesellschaftsmodell 40 Jahre existieren konnte war unter den gegebenen Bedingungen eine enorme Leistung ihrer Bürger und ein Zeichen für die Urkraft des Sozialismus. In der schöngeistigen DDR - Literatur hat es über diese Zeit anrührende Zeugnisse gegeben: unter anderem Hermann Kant, Erik Neutsch, Siegfried Pietschmann, Christa Wolf.



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Kunst von sc.Happy
inseriert: 18.05.20
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Es ist hier ein Aufruf an alle ergangen. Unter #ioscrivoacasa sollten in Rom lebende Autoren schildern wie es ihnen unter den strengen Bedingungen der Quarantäne zuhause ergeht. Ich schrieb darüber, dass Rom für mich durch seinen Fluss am Meer läge, mein Meer die Ostsee war. Ich rieche Seetang, wenn ich nur dran denken. Ich durchlebe erneut die heftigen Stürme von damals und blicke erstaunt auf spiegelglattes Wasser. Bis zum Horizont reichte die Farbpalette in den Tönen von Blau zu Blau. Und über allem war dieser unvergesslich weite, lichte Himmel gespannt. Wir waren dauernd am Meer, ertrugen lähmende Hitze, finstere Wolken, peitschende Unwetter und Sandattacken, die unsere Gesichter blankrieben. Wir ärgerten und stritten uns. Wir waren unzufrieden, wütend. Wir wollten so oft nur noch fort und wegrennen. Aber dann brauchte es nur eines der Elemente, um uns wieder zu beruhigten und am Meer zu bleiben. Seit ein paar Tagen verlassen wir die Villa nicht mehr nur um einzukaufen. Wir entfernen uns weiter als die erlaubten fünfhundert Meter im Umkreis. Ich musste nach über zwei Monaten Hausarrest als erstes zum Fluss. Für mich wird das große Danach erst durch die Begegnung mit Wasser zum prägenden Neuanfang. Der Tiber entspringt im Apennin, fließt durch Italiens Hauptstadt und mündet schließlich westlich von ihr ins Tyrrhenische Meer. Der Fluss war grün, sein Pegel gesunken. Er floß recht munter dahin. Ich stand auf der Brücke, blickte aufs Wasser hinab und stellte mir die Gegend vor, wo der Tiber das Meer erreicht. Die Brücke führte uns zur Engelsburg. Davor stand ein Karussell unter durchsichtige Plane gepackt. Das musste Andrea unbedingt filmen. Einmal herum ging sie mit ihrer Handykamera. Zuhause unterlegte sie die Bilder mit chinesische Straßenmusik. Um ein Vielfaches verlangsamt sind da nur noch dunkle, matte Klänge zu vernehmen. Ein kurzer Film zur uns allen auferlegten Zwangspause. Hinter der Burg entdeckten wir den Eisladen. Keine Schlange davor, aber das ganze Sortiment im Angebot. Ich entschied mich wie immer für Mango und Schokolade, tiefschwarz, beinahe schon unecht aussehend. Zurück ins Leben zu finden, bedeutet vor allem alte Gewohnheiten wieder aufzunehmen und fortzusetzen. Der Platz vorm Petersdom war unübersehbar menschenleer und vollständig abgeriegelt. Nach dem verlassenen Karussell ein weiteres Bild von großer Ödnis. Die über Medien bekannte Fläche war so verwaist, dass ich meinte, wir würden uns von hinten auf einen Notausgang zum Papstpalast bewegen. Das Vakuum aber war der Vorplatz zum Vatikan. Wie anders es in der Villa geworden ist, beweisen die Fahrräder. Sie lümmeln nicht mehr an den Wänden, sondern werden wieder für Ausflüge benutzt. Zwei von uns sind so gar mit ihrem roten Moped unterwegs. Das ist auf dem Gelände noch komplett auseinander genommen und wieder zusammengesetzt worden. Wichtige Teile, von Zuhause mitgebracht und lange nicht angefasst, wurden in der Zwischenzeit gegen die verschlissenen ausgetauscht. Die Maschine sei nicht unbedingt schneller, dafür aber aggressiver geworden, sagt Boris. Seine Freundin auf dem Sozius mag es gemütlich. Er aber steht auf robust ausgeführte Kleinstaktionen. In Rom sei es wichtig auf plötzliche Situationen geschickt und entschlossen zu reagieren. Und kommen die Ausflügler zurück, berichten sie von Gegenden, die ich aus früheren, virusfreien Tagen noch recht gut im Gedächtnis habe. FOTO: Gerd Adloff

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