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30 Zappanale

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Kunst von sc.Happy
inseriert: 17.07.19
Hits: 102

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Ich liege oft auf dem Rücken. Ich habe das Fenster geöffnet, weil ein Gewitter grollt. Ich halte die Augen geschlossen. Es steht ein Regenbogen über dem Haaransatz. Er reicht bis an meine Zehen. Ich packe meinen Arm. Ich quetsche mich. Das Blut springt ängstlich in den Adern. Ich rede mich an, ich werde lauter zu mir. Die Augen blitzen. Ich liste auf, was zu lieben ich nur vorgebe, nicht stimmt, ich mir einrede zu mögen, nicht aber mag, nie gemocht habe. Ich beteuere weiterhin, die grosse Liebe nicht zu kennen und wissen zu wollen, wie sie sich anfühlt, diese große Liebe. Die Hilflosigkeit will mich belehren, wie vergänglich der Mensch und rasch vom Planeten gewischt ist. Liebe ist wie Wasser. Sie flutet und vernichtet dich. Sie benetzt deine trockenen Lippen in der Wüste. Sie packt dich und lässt dich untergehen. Man hört sie bedrohlich gluckern. Das Meer tost im Herzen. Tost es nicht mehr, verschwinden die Gefühle wie durch den Abfluss. Und dann ist Ruhe. Die Sonne verschwindet. Schnee fällt. Die Isolation steht in ihrer vollsten Pracht. Die Einsamkeit ist ein trockenes Flussbett, das deine Worte nicht braucht. Wohin habe ich mich nur geführt, verrannt? Wieso stehe ich mir nur noch im Wege, und behindere mich so gar in meiner Einsamkeit? Ich müsste mich in Ruhe lassen, mich streng meiden, so ungeeignet bin ich für das Erlebnis Einsamkeit. Ich müsste um mit ihr zurechtzukommen eine Zweitwohnung allein für den größeren Teil meiner Einsamkeit anmieten. Ich sehe zur Zimmerdecke auf, betrachte die Düsternis in meinem Zimmer. Die Augen glühen wie die Augen Kafkas. Da bin ich nun, stehe am Rande vor dem Nichts ohne Brüstung. Bin mein eigener Antiposten, anwesend ja, aber nur, um mich nicht aufzugeben. Ich bin mir gewiss, dass geschieht, was nicht zu erwarten ist. Ich bin mir sicher, dass ich Errettung erfahre, bald schon rauskatapultiert bin aus dieser bescheuerten Lage. Ich muss auf diese Insel kommen, mich dort einnisten. Ich sehne mich immer noch splitternackt im Regen zu stehen. Ich möchte immer noch meine Haut aufweichen lassen.

Kommentare: 1

♦ 17.07.19   15:35:09
Herbst

"Bald wird es schnein. – Weh dem, der keine Heimat hat“ . Rückzug sollte immer in Begleitung mit Freunden und im Vertrauten stattfinden. Das einzige Wahre was Mensch tun kann - glaube ich - zumindest. Das Exil ist der Tod (Bruno S. Die Fremde ist der Tod und Tarkowskijjs Nostalgia) illustrieren das sehr anschaulich. Die Schwierigkeit unserer Generation, die immer an der Front war, ist es zu akzeptieren, das Kreise sich schließen und man wieder dort ist wo man angefangen hat. - natürlich auf höherem Niveau (marxsche Dialektik) und das macht zornig bzw. traurig, - und die Gesellschaft dreht weiter seine Kreise ohne uns zu beachten. Also, akzeptieren oder laut auf der Bühne sterben. Die Frage die bleibt: welche Bühne und an welchem Ort? ... Guter romantisch beseelter Text!