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CO ROMA RREST XII

CO ROMA RREST XII


Kunst von sc.Happy
inseriert: 25.03.20
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Das kann man einfach keinem erzählen. Ich schreibe deshalb den Namen nicht vollständig aus. Greta T ist mir erschienen. Heute Nacht. In meinem Zimmerchen, so eng, dass wir geradeso den geforderten Abstand im Raum hielten. Ich war zu sehr baff erstaunt ihr gegenüber Freude zu zeigen. Sie stand in der Dunkelheit und schwieg. Ich bot ihr Tee aus meiner Nachttasse an. Ich richtete mich im Bett auf, spielte ihr auf der kleinen Mundharmonika in Chicago gekauft, La Paloma als Blues vor. Ich las ihr die letzte Kolumne aus der JW vor. Um irgendwie ein Gespräch anzuleiern, fragte ich, was sie vom Pogotanz hält? Ich redete vom Weihnachtsstern, der einzigen Pflanze hier, die ich von draußen wieder reinholen musste, so tierisch kalt wie es in Rom geworden ist. Greta T schwieg eisern. Ich überlegte, ob das mit der Pflanze vielleicht für sie nicht in Ordnung ging oder ich nicht hätte tierisch zur Kälte sagen sollen? Dann legte ich mich wieder hin und dachte im Traum noch, was für ein komischer Traum. Ich weiß noch wonach Greta roch, nämlich nach Parasol. Ich glaube, ich sagte es ihr als Nachtgruss. Und dass sie das Licht einschalten, selbstverständlich auf der Couch schlafen dürfe. Decke und Kopfkissen fände sie im Wandschrank. Ich hörte sie nicken. Kann sein, dass ein Finger von mir knackte. In extrem aufregenden Momenten falle ich in alte Gewohnheiten zurück. Der eine Komponist in unserer Villa knackt auch recht gern mit seinen Fingern und spielt deswegen so flugs und flott Piano. Licht knipste Greta nicht an. Dafür hörte ich sie übern Fussboden tippeln und mit den Kleidern rascheln, was seine spezielle Erotik hatte, mich an frühere Zeiten denken ließ. Vier Jahrzehnte zuvor. Der Wandschrank wurde geöffnet, das Bettzeug herausgeholt und aufgeschüttelt. Greta schlüpfte drunter und schlief wohl auch gleich ein. Ich war echt zu müde, für sie ein Gute-Nacht-Lied zu singen. Ein von mir erdacht. Ich schlief dann weiter und erwachte Stunden später. Das Bettzeugs hatte Greta brav zusammengelegt, mir aber keinen Zettel zum Dank hinterlassen. Ist nicht drin, so beschäftigt wie Greta ist, sagte ich mir. Wird wenig schlafen, die Gute. Trump behauptet stur täglich nur vier Stunden Schlaf zu brauchen. Wenn ich das könnte, dachte ich beim Zähneputzen, hätte ich dreimal mehr Zeit zum Schreiben und würde an drei Romanen gleichzeitig sitzen. Ich bin dann zu meinem Stapel Visitenkarten hin, habe ihn durchgezählt und festgestellt, das zwei Stück fehlten. Hoffentlich weiß Greta T, dass meine Telefonnummer nicht mehr stimmt, ich nur über e-mail zu erreichen bin?

Kommentare: 1

♦ 26.03.20   13:34:54
Kreta

Verwirrung in Zeiten der Pest. Das besetzte Bewusstsein drängt in Zeiten der Isolation zur Oberfläche. :-)