© RUNKEL Grossansicht, Zurück zur Gesamtübersicht #artdisc.org Mediathek

coROMAschluss XXI

coROMAschluss XXI


Kunst von sc.Happy
inseriert: 14.04.20
Hits: 253

artdisc.org Media Bild

Zu einem Geburtstag Ende September wurden die in der Gegend verstreut herumstehenden Gartentische und Sessel zu einer großen Tafel zusammengestellt. Zu schwer, um sie wieder auseinanderzurücken, blieben die Möbel danach so stehen. Kinder lümmelten breitbeinig auf ihnen herum, überlegten, was sie als nächstes spielen könnten. Ansonsten gingen wir alle brav an Tisch und Gestühl vorbei, brauchten sie nicht einmal, um unsere Einkaufstaschen oder Fahrräder abzustellen. Mit der Quarantäne jedoch gewann das Möbelensemble an Bedeutung. Die vierköpfige Villafamilie frühstückt nunmehr regelmäßig hier, Schulaufgaben werden erledigt. Wir Villabewohner bilden einmal am Tag eine große Runde, um Neuigkeiten auszutauschen, Kaffee zu trinken, die Großlage zu besprechen. Schön ist auch, dass die Männer vom Brunnenbau die Sitzgarnitur für ihre Zwecke nutzen, Pläne auf dem Holz auslegen, sich zur Pause besprechen und ihre Arbeitspausen abhalten. Ostern haben wir hier feierlich die Grillsaison mit Würstchen, Klopsen, Fleischstücken von Lamm und Ziege eröffnet. Dazu wurde Blumenkohl, Seegras, Kartoffelsalat und auch Brot gereicht – kreisrund zum Kranz gebacken, standen in ihm fünf Eier aufrecht und in Schale. Ich ließ es mir nicht nehmen, das ofenwarme Brot exakt über jedem Ei mittig zu zerschneiden. Mir gegenüber saß der Musiker Stefan Keller. Er verwandelt sein Spiel auf der Tabla mit Hilfe von Elektronik in außergewöhnliche Hörerlebnisse. Wir treffen uns häufig, reden über die Dinge der Welt. Ich gehe danach Zeitung lesen, er geht zu seinen Instrumenten ins Studio zurück. Beilage Schweiz, morgen Nun ist Ostern vorbei, und ich sitze allein am großen Tisch, schreibe diesen Artikel, der meinen Abschied von der Kolumne bekanntgibt, die Entscheidung begründet mit nur einem Wort: Solidarität. Es geht zu vielen Kollegen meiner Zunft nicht gut in diesen Zeiten. Sie können keine rasenden Reporter sein, verdienen kein Geld mehr. Wir, die wir abgesichert sind, müssen den gefährdeten Schreibern behilflich sein. Ich räume nach einem Monat Berichterstattung meinen römischen Reporterplatz. Nicht vergessen werden sollte freilich, was Corona bestenfalls bedeutet: gute Runde, froher Freundeskreis.

Kommentare: 1

♦ 15.04.20   14:02:02
Teilnehmerin

Lieber Herr Wawerzinek, vielen Dank für die ermöglichte Teilnahme an Ihren Gefühlen und Beobachtungen im Römischen Exil! Danke