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Zitrona

Zitrona


Kunst von sc.Happy
inseriert: 21.04.20
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Was den Mundschutz angeht, so sind mir schon einige andere Begriffe wie Maulgeflecht, Tropfenbinde, Lippengespinst, Schnutenschutztuch eingefallen. Heißen korrektdeutsch verwendet amtlich Mundnasenmasken. Legt das Institut für Normierung fest. Zeichnet für viele andere verbindlich festgelegte Bezeichnungen verantwortlich. Ich empfinde Masken eh als gesichtslästige Bürden vorm Mundwerk getragen, kann sie mir nicht einmal im spielerisch-spaßigem Sinne als Stofforden anstecken. Wir trugen alle Masken und Schutzhandschuhe bei der Arbeit an der Zitrone. Hauseigene Früchte. Über Monate selbst unter Quarantäne gestellt und ins Gewächshaus weggesperrt verblieben. Nun wurden die Riesenpötte aus ihr heraus befreit und rund um den Vorplatz zurück an ihre angestammten, krisensicheren Plätze verbracht. Die von ihnen über die kältere Jahreszeit herübergeretteten Früchte galt es nunmehr zu ernten. Eine ganze Gemüsekiste voll ist dabei herausgekommen. Jetzt war es an der Zeit sie zu waschen und zu schälen. Eigens dafür sind die üblichen Verdächtigen als Freiwillige am großen Tisch im Gemeinschafts zusammengekommen. Florian und Gretel wuschen sie mit ihren geschickten Händen vom Umweltdreck rein. Esra, Andrea, Julia, Dennis, Torsten, Paul und ich griffen sie auf, um sie nackig zu machen, wie man dazu bei mir in Mecklenburg sagt. Das Ganze wurde von Kasper gefilmt und wird dann in Kürze über die Leinwand flimmern. Als Beleg dafür, dass wir durchaus zusammenarbeiten können. Als freundlichgemeinte Information an unsere Fans gegenüber der andere Straßenseite, in der Villa vorstellig werden zu dürfen, ist die Zitronenmarmelade erst einmal angerichtet und eingekocht. Mit scharfem Messer und Gummihandschuhen zu werkeln ging bei mir nicht lange gut. Nach wenigen Drehminuten für unsere Filmaufnahmen, war der rechte Daumenschutz beim mir verschlissen, erledigt. Mit zerfetztem Gummi am großen Onkel setzte ich meine Befreiungsarbeit fort. Mal ließen sich die Zitronen nahezu von alleine aus ihren Schalen befreien. Mal waren sie so dick und fest eingemummelt, dass es schon einige Kraft und Unerbittlichkeit verlangte, sie einander gleich, einheitlich, frei zu machen. Schließlich landeten alle Zitronenleiber in Stücke und Scheiben geschnitten über drei Kochtöpfe verteilt. Mit reichlich Zucker versehen durften sie über Nacht beisammen bleiben und bis zum Morgen hin ordentlich durchsotten. Dann werden sie gekocht. Bei drei Töpfen könnten theoretisch drei unterschiedliche Rezepte Verwendung finden, drei Marmeladen herausspringen. Man kann mit der Jam nämlich so einiges anstellen, Zimt, Nelken, Mandeln beigeben. Man kann für die Konfitüre verschiedenste Mixturen verwenden, um tropische Schärfe hinein zu zaubern. Man könnte aber auch generell mit der Masse experimentieren, so manchen Seitenweg in der Kochkunst einschlagen, was ich gern tun würde, mich jedoch nicht traue so auch zu sagen. Es geht hier nicht um die Befriedigung insgeheimer Zitronenträume meinerseits, sondern ums Allgemeinwohl und diejenige gesicherte Rezeptur, die von der Bevölkerung auch angenommen wird. Also werde ich einfach so einmal nach nebenan in die Marmeladenküche schlendern und der Endfabrikation beiwohnen. Wenns auch schwerfällt, schön meine Finger stillhalten, die Hände besser gleich zweifach in Gummischutzhaft stecke. Damit es zu keinen Übergriff und sonstigen, die Zubereitung nur störenden Handlungen meinerseits kommt. In die sauere Zitrone muss ich da schon tapfer beißen. Die bittere Pille wird geschluckt, egal wie es mir dabei auch in den Handinnenflächen juckt.