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NEUES AUSSEM POLIT-BORDELL. WIE DIANA WAR ALS SIE NOCH BIANCA HIESS UND MIT KLEINEN JUNGS

NEUES AUSSEM POLIT-BORDELL. WIE DIANA WAR ALS SIE NOCH
BIANCA HIESS UND MIT KLEINEN JUNGS BRIEFMARKEN TAUSCHTE


Kunst von sc.Happy
inseriert: 22.09.09
Hits: 2713

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AKTUELLE NACHRICHT AUS DEM NETZT

Heimliche Liebschaft zwischen der britischen Prinzessin Diana und Frankreichs früherem Staatschef Valery Giscard d'Estaing.

Die Mutmassungen löste der 83-jährige Altpräsident selbst durch seinen neuen Roman aus, der Anfang Oktober erscheint und über den Le Figaro vorab berichtete.

IHR WISST / DIESER SCHLEIMPULLER MIT NAMEN
Giscard d'Estaing
war bis zum Beginn der 80er Jahre an der Macht und schreibt nun über eine Romanze, die bisweilen verdächtig so klingt, als ob er sie selbst erlebt habe:

Die Prinzessin und der Präsident

beschreibt die leidenschaftliche Liebe zwischen einem französischen Staatschef namens Jacques-Henri Lambertye und einer walisischen Prinzessin namens Patricia, die sich beim Abschlussdiner nach einem Gipfeltreffen der G-7 in London begegnen. Als er seinen Stuhl zurückgeschoben habe, damit die Prinzessin ihren Platz einnehmen könne, habe sie ihm

einen Seitenblick

zugeworfen, schreibt der erfundene Staatschef in Ich-Form in dem Buch. Ihr fragender Blick aus

schiefergrauen Augen

traf ihn demnach auch, als er ihre Hand küsste.

Mein Kopf stand in Flammen und mein Herz zitterte vor Glück, als ich in den Elyse zurückkam und die Stufen hochging ,
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lässt Giscard d'Estaing seinen Helden erzählen.

(Orte, Personen und Äusserungen sind so kenntnisreich beschrieben, dass die gesamte Geschichte sich echt anhört.)

Zwei Wochen vor meiner Hochzeit hat mein künftiger Mann mir gesagt, dass er eine Geliebte hat und entschlossen sei, die Beziehung zu ihr auch nach der Heirat fortzuführen , lässt der Altpräsident die britische Prinzessin sagen.
Wer würde an dieser Stelle nicht an Prinz Charles und seine zweite Frau Camilla denken, mit der er jahrelang, auch während der Ehe mit Diana, eine Liebschaft unterhielt. Auch das Zitat, das Giscard d'Estaing seinem Buch voranstellt, lädt zu Mutmassungen ein.

Versprechen gehalten schreibt der Autor und gibt möglicherweise am Ende des Romans einen Wink:

Sie haben mich gefragt, ob Sie Ihre Geschichte niederschreiben dürfen , sagt die Prinzessin da zum Präsidenten. Ich erlaube es Ihnen. Aber versprechen Sie mir etwas...



HIER NUN DIE GANZE BRUTALE WAHRHEIT -
und wohl bemerkt.
NUR FÜR DIE ABSOLUTEN KENNER UND LECHSZENDEN INSIDER:

Die Geschichte spielt in der DDR, am Ostseestrand, exakt in OSTSEEBAD KÜHLUNGSBORN/WEST.

Diana heisst Bianca und
das königliche Schloss ist ein staatliches Kinderheim mit Namen JENNY MARX.

Ich erinnere mich an den lieblich stempelnden Dauertakt des Postamtsmannes meiner kleinen Ostseegemeinde, an der Ecke neben dem Souvenirladen, wo die Glaskugeln zu bestaunen sind. Kugeln, die man schüttelt, dasss der im Inneren der Kugel ausliegende, weisse Teppich berstet, Flocken wirbeln, Schneegestöber stattfindet, Schnee stobt.

Ich bin in einer ausserordentlichen Angelegenheit zu Bianca unterwegs. Ich sehe mich auf den Treppenstufen ins Mädchenreich unterwegs. Ich habe ein kleines Briefmarkenalbum dabei. Ich will sie haben, die dunkel violette 35-Pfennig-Walter-Ulbricht-Briefmarke, muss sie an mich bringen. Ich bin acht Jahre und erst ein paar Wochen Briefmarkensammler. Bianca ist zehn Jahre alt. Wir schreiben das Jahr 1963.

Martin Luther junior King führt eine grosse Bürgerrechtskampagne in Birmingham, Alabama an. Im gesamten Süden kommt es zu Aufruhr um die Registrierung Schwarzer in Wählerlisten. King tritt gegen Rassentrennung an, für gleichgestellte Schulbildung, menschliche Wohnungen. King führt den Marschblock auf Washington zu, wo er seine berühmte Rede hält, I Have a Dream sagt.

Ich wühle in meinen mitgeführten CDs, lege Wilson Pickett ein, der neben James Brown zu den grossen Soulstars des Jahres gehört. I Cant Stop etabliert den Southern Soul aus Memphis, Tennessee, im besten Studio von allerbesten Musikern jener Zeit aufgenommen. Please Please Me und From Me To You und She Loves You laufen sich den Rang ab. Bianca und die Sache mit der 35-Pfennig-Walter-Ulbricht-Briefmarke stehen für die grösste Entdeckung meines Lebens. Die Entdeckung ändert mein Verhältnis zum anderen Geschlecht radikal. Sie bestimmt meinen Gefühlshaushalt nachhaltig. Das Tierkreiszeichen der Chinesen ist das des Hasen. Ich mag Hasen sehr. Eine Briefmarke in meiner Briefmarkensammlung zeigt einen Hasen beim Hunderennen. Ich weiss nicht, dass der Hase unecht ist. Ich weiss nicht, dass die Windhunde einem Gestell nach hasten, das von einem Fell überzogen ist, das dem Pelz eines Hasen ähnlich sieht. Sagt, dass er nach dem Krieg im Hinterhof Hundewettspiele mit aus dem Krieg übrig gebliebenen Hunden veranstaltet hat, dass sie eine Arbeit haben, nicht überall herumstolpern, sich an ihn binden und für die Rennen begeistern. Versucht mir meine Hundemarken abzuluchsen.

Die gebe nicht her.
Die brauche ich für eine Tauschaktion.

Das kann der Hasenmeister gut verstehen. Er ist oft betrunken und schiebt eine Fahne vor sich her. Er raucht Selbstgedrehte und schaut mich manchmal merkwürdig an, streicht mir übers Haar, nennt mich Minjong, sagt, dassss er mir mit den Jahren ein paar Dinge erklären wird, über richtige Hunderennen auf ovalen Bahnen, die im Grunde Hetzjagden sind, warum jeder Rennhund einen Pass besitzt, in ihm den Namen der Mutter, des Vaters eingetragen. Er nennt sich Trainer, weiss wann eine Hündin läufig ist, führt mich zu seinen Kaninchenställen, die er geheim hält, vor Heimkindern bewahrt, benennt als Grund die Sehnsucht der Kinder nach Wärme und Geborgenheit.

Sie würden meinen Tieren die Pelze vom Leibe streicheln., sagt er.
Er bringt mir bei wie er die Hasen bürstet.
Jeden Tag eine Stunde, wenn sie haaren zwei.
Das Bürsten hilft den Langohren durch die Mauser.
Er trainiert die Hasen für die Hasenschau. Er sagt sehr oft:
Seid wahre Schönheiten, meine Hasen.
Ihr mit euren blauen Augen.
Drückt seinem Rammler einen Kuss aufs Fell, redet mit geröteten Augen.
Aus dem Krieg mitgebracht.

Spricht von der tollen Zeit, der Fischsoljanka aus dem Stahlhelm gelöffelt, die wilden Tänze. Ich befrage ihn über die Hasenscharte.
Hasenscharte!
Hasenscharte!, rufen Tegen und Heinz Bianca hinterher, halten sich die Bäuche vor lachen wie bei dem Wort Silberblick, von dem die behaupten, Roswitha hätte ihn.
Hasenscharte, stöhnt der Haushasenmeister, da müsse er schon weit ausholen.
Wie einem Kind das erklären?

Sagen sie nur was es ist. Ich verstehe das dann schon.
Ja, ja, lacht er, nennt mich einen Schlaumeier, spricht von der Kieferchirurgie, von Zysten und Wucherungen im Kiefermundbereich, operative Korrektur, Gaumen- und Lippenspalten, dem Wolfsrachen, der wie die Hasenscharte eine menschliche Missbildung ist, ein Geburtsfehler, dasss er sich Tegen und Heinz schnappen wird, wenn die noch einmal Bianca ärgern und zum heulen bringen.

Wenn einer sich fürchtet, rufen sie ihn Angsthase. Man ist ein Angsthase, wenn man nicht von der Seebrücke ins Wasser springt, kein Ei aus der Eierschale saugen will oder einen Regenwurm essen und sein eigenes Pipi nicht trinken mag., sage ich.
Ich will kein Angsthase sein., sage ich.
Dann sei einfach ein Muthase., sagt der Hausmeister.
Nichts geht über das Hasenherz., sagt der Hausmeister.
Sagt, dass es einen Hasenfuss gibt, der in Afrika lebt und die Spinne zum Freund hat.
Ich soll zu ihm kommen, ihm Fragen stellen, zu den Dingen, die mir unbekannt sind.

Bianca redet streng, ist vorlaut und immer vorneweg ein Mädchen, das lieber ein Junge geworden wäre. Beim Klettern am Gerüst macht ihr keiner was vor oder nach. Sie hat zwei kräftige Arme. Sie kann zwanzig übereinander gebrachte Suppenteller tragen. Ich riskiere meinen gesamten Bestand an Walter-Ulbricht-Marken für eine einzelne Marke. Bianca ist von mir ausdrücklich versprochen worden, so viele Briefmarken von mir zu bekommen wie sie meint, notfalls alle. Ich darf mir dafür eine philatelistische Besonderheit von ihr erwarten. Ich darf meine Ungeduld nicht durchblicken lassen. Ich darf nicht zucken, wenn sie alle haben will. Ich weiss von ihr wie über jede Norm hoch das von mir angestrebte Exemplar im Kurs steht.

Ich habe alle meine Marken von der Köchin geschenkt bekommen. Ich sitze bei der Köchin in der Küche vor dem Stapel Post. Ich schneide die Marken mit der Schere vom Briefumschlag, aus der Postkarte, um sie den mit Wasser gefüllten Suppenteller zu legen, wo sie auf den Kopf gedreht im Wasser schwimmen, sich langsam ablösen. Die Köchin erzählt vom Postmann, den sie geliebt hat als sie noch ein Mädchen war. Sie liest mir vor, woher der Brief stammt, von dem ich die Briefmarke abschneide, wer ihr Schreiber ist, was für eine Absicht mit der Briefsendung verfolgt worden ist, was drin steht. Sie unterbreitet verschieden gefärbte Familiengeschichte, erzählt von ihren Anverwandten, der Tante, der Nichte, dem Onkel, den Grosseltern, einem Schwiegervater, der in seinem Urlaub allerhand anstellt. Ich höre lauter Namen, bekomme von Berufe, Stellungen und Beziehungen berichtet. Ich weiss zu den Landschaften, die sie bewohnen.

Wieso schneidest du die Briefmarken nicht aus., fragt mich die Köchin.
Die da habe ich schon.
Die brauche ich nicht.
Die gebe ich ihnen zurück., sage ich.

Die Köchin baut sich vor dem Küchentisch auf, und donnert im ernsten Tonfall, dass ich das eben wohl nicht ernst gemeint habe. Ich soll kein Dummerchen sein. Ich soll sie alle ablösen, trocknen, pressen und einsetzen.

Mit ihnen handeln, sie eintauschen!, sagt sie klopft mit dem Finger gegen meine Stirn, setzt sich zu mir, klärt mich über den Sinn und die Aufgabenstellung der Sammlerleidenschaft auf, belehrt mich, beschwört mich, mit meinen doppelten, dreifachen, zehnfachen Marken einen guten Handel zu betreiben, echte Raritäten an Land zu ziehen.
Versuch beim Tauschen immer die besten Marken einzuheimsen.
Schöne Marken werden gegen weniger schöne eingetauscht.
Tausch so oft es geht mit anderen Briefmarkensammlern.
Nimm Marken an, die sie nicht gebrauchen können.
Frag lieber mich, bevor sie dich bescheissen.
Tauschen verlangt Geschick.
Es geht um die Serie.

Mein Pfund für den Tausch, sagt sie, sind die zwei Marken für je eine Mark mit dem Porträt des Landesvaters, die man auf Pakete klebt. Mit ihnen hole ich mir die lila 35-Pfennig-Walter-Ulbricht-Briefmarke. Ich darf sie nur der Bianca nicht sofort geben, denn die Bianca wisse, dass die zwei Marken Raritäten sind. Ich soll meine Briefmarken nicht Briefmarke nennen, sondern von Postwertzeichen reden, nicht Briefmarkenkleben sagen, sondern Frankieren und Freimachen.

Das wird sie beeindrucken.
Sie wird dich für einen vom Fach halten.

Das Sammeln und Erforschen und Bewerten von Briefmarken geschieht in der Regel nach vollständigen Sätzen, klärt mich die Köchin auf. Ich spüre den Stolz an ihr, das Wissen endlich an jemanden weiterreichen zu können. Nun hat sich die Liebe zum Postbeamten endlich in Bahn gebracht. Sie trauert um den Postboten, sagt, dass sie ihn durch eigene Dummheit losgeworden ist. Liebte ihn seiner kräftigen, schnellen Beinen wegen, mit denen er einen Rekord aufgestellt hat. Wunderschön war er anzusehen, mit einem Körper, einfach formvollendet, wie für den Beruf gemacht, all seine Masse so perfekt.

Richtige Sammler bekommen die neusten Marken an der Haustür übergeben.
Richtige Sammler bekommen Sammlerstücke mit der Post zugeschickt.
Richtige Sammler legen ihre Alben nach Gesichtspunkten an.
Richtige Sammler gehen nicht in die Post an einen Schalter.
Richtige Sammler werden ein eingetragene Sammler.
Sammeln hat mit Leidenschaft nicht zu tun.
Sammeln ist wie Fisch kaufen müssen.
Sammeln nennt man Philatelie.

Ich kann das Wort nicht im Kopfe behalten. Ich bekomme es immer wieder neu von der Köchin hergesagt. Silbe für Silbe.

Phi la te lie., sagt sie.
Du schönes Wort aus Griechenland., trällert die Köchin in ihrer Küche.
Phi la te lie heisst nichts anderes als die Liebe zu allem, was frei ist von der Steuer ist., singt die Köchin.

Und singt von der Auktion, singt von den Auktionären, singt von den Wert der Briefmarken, von astronomischen Bereiche, in die sie sich treiben lassen. Singt von satten Summen zu erzielen durch die Phi la te lie, die eine Briefmarke zur Geldanlage wandelt, ein Objekt der Begierde, bei denen finanzielle Aspekte nicht wichtig sind. Singt von den Bildern auf den Marken der Welt. Singt von den verschiedenen Formen und Farben. Singt von den absonderlichen Schriften. Singt darüber, woher die Marken kommen. Singt von Weither und Demausland.

Ich bin an dem Tag, der mein erster Tauschtag wird, mit der Bianca allein im Heim. Wir sind in Absicht zurückgeblieben. Die Kinder des Heimes sind auf Reise, das Wochenende in grosser Gruppe, grosser Gemeinsamkeit als Heimfamilie sozusagen, als Heimkinderklasse unterwegs zur Insel Rügen in ein dort befindliches leer stehendes Haus. Bianca gibt vor verschnupft zu sein. Ich sehe mich ausgeschlossen, weil ich etwas schlimmes zu einer Erzieherin gesagt habe und zum Zwecke von mir ausgesprochen worden ist, nicht mitgenommen zu werden, dass ich doch mit der Bianca Briefmarken tauschen kann, die 35-Pfennig-Walterulbrichtmarke bekomme.

Bring eine Taschenlampe mit., hat sie mir zugeflüstert

. Es wird Ostern gewesen sein, vielleicht war auch Pfingsten. Was interessieren kirchliche Feiertage in einem staatlichen Kinderheim. Die Birken vor dem Heim schlagen schön aus, weiss ich. Grüne Blätter erinnere ich. Heller als das Grün meiner Zehnpfennigwalterulbrichtmarke. Ich bin gespannt und freudvoll aufgeregt, dass ich Herzklopfen bekomme. Ich habe die grosse Taschenlampe mit der flachen Batterie dabei. Ich nehme die Stufen zur Mädchenetage. Ich spüre, dass es für mich um alles geht. Ich werde ein Sammler sein, ein Phi la te list. Die ferne Utopie rückt näher mit jeder Stufe, die ich auf Bianca zu gehe, in Konsequenz, Schritt für Schritt, von der niedrigen zur höheren Materie, die Erfolgsleiter empor, die Treppe hoch, an Mädchenzimmern entlang, zu dem Zimmer, in dem Bianca wohnt. Bianca kommt mir entgegen. Bianca nimmt mich in Empfang. Wir sind in weisse, steife Nachthemden gehüllt. Die Hemden reichen bis an die Knöchel. Mein Nachthemd folgt dem Nachthemd der Bianca. Unsere Nachthemd schweben über die Dielen des langen Mädchenflurs zum hinteren Mädchenzimmer hin, das uns Jungen verboten ist. Wir sehen wie russische Tänzer aus, gegen mit kleinen, leisen Tippelschritten. Es ist sonst keiner weiter im Heim als der Hausmeister und seine Frau. Die wähnen uns gut zu Bett gebracht und sitzen im Seitentrakt zu Tische. Er auf ein Feiertagsbier. Sie vor dem einen Braten für sich und ihn und dem Moment der Ruhe für beide, immer wenn das Heim auf Reise geht, niemand im Heim ist.

Ich husche zur Bianca unter die gemeinschaftliche Kinderheimdecke. Wir knipsen unsere Taschenlampen an. Biancas Lampe ist heller als meine. Licht sticht mir in die Augen, wenn ich den Tauschtag bedenke. Ich sehe mich geblendet. Ich kann nach jedem Lichtstich eine Dauer nicht blicken und blicke wie ich mir die Augen reibe der Bianca zwischen die Beine auf das fleischliche Ding, den wunden Spalt, weit hinten als böser Anblick zu erhaschen, der mich schreckt. Es schreckt mich dieses frische, rötliche Fleisch, das ich nicht sehen mag und doch immer wieder mal zu Gesicht bekomme, wenn die Bianca sich bewegt, ruckt und zuckt und um ihre Beine öffnet und schliesst.

Nach Kierkegaard ist was mir unter der Bettdecke zwischen den Schenkeln der Bianca begegnet, eine sinnliche Überforderung des heranwachsenden Menschen, die er nie vollständig rationalisieren kann, die ihm undurchsichtig bis vollständig absurd erscheint. Das Individuum hat sich dem Leben in allen Varianten, Formen, Farben und Aggregatzuständen zu verpflichten. Die Verpflichtung heisst hinsehen im Wegsehen. Was dem Einzelnem widerfährt, widerfährt ihm zuerst ohne Druck. Da ist erst ein Gefühl, ein Schrecken wie bei mir, und erst danach kommt es zum Nachzuvollziehen. Der Schrecken kann dem jungen Leben die Richtung verpassen. Ich reife unter Schock. Ich bin ein betroffenes Individuum. Ich habe nicht gelernt, das Wunde im Wunderbaren, die Verwundung als Wunder zu sehen, das Wunder der vermeintlichen Wunde als wundervoll zu schätzen. Ich suche das wunde Fleisch der Bianca nicht wahrzunehmen, mich seinem Aufblitzen zu verwehren. Ich schrecke nach innen. Ich träume hernach etliche Jahre schlecht, erwache im Wundfieber, habe Schwierigkeiten auf die Mädchen zuzugehen, begegne keiner Frau mehr ohne Scheu vor ihrem Fleisch, dieser Wunde da zwischen ihren Beinen.

Ich werde dreizehn Jahre, bin siebzehn Jahre alt und später neunzehn und bewältige erst gegen Jahresausklang mit Hilfe von Ingrid aus Rostock-Neuenhagen die Scheu vor dem Geschlecht Mädchen. Wir haben Petting zusammen. Ich bekomme von Ingrids Hand die meine Hand an die Wunde gelegt. Die Hand steckt in ihrer Jeans. Die Hand versteift sich. Die Hand ist nicht vor, nicht hin, nicht zurück, nicht her zu bewegen. Die Hand steckt wo sie steckenbleibt. Hinterm Jeansstoff, im Slip. Und es dauert danach weitere Monate, bis ich dann mit Babsi in einer Gartenlaube geschlechtlich bin. Es ist zum Glück dunkel. Ich muss die Babsi nicht besehen. Ich weiss noch die Geräusche aus dem Nebenraum; und Babsi meint, ihre Schwester und deren neuen Freund. Sind da zugange. Die Schwester nennt sie schlimmer als sie angelegt und redet davon, dass sie bis zu fünf Höhepunkte nacheinander bringen. Ich sehe mich von der Babsi in die Wunde eingeführt. Ich mühe mich nicht sonderlich, es der Babsi recht zu machen. Ich unterliege diesen Geräuschen von nebenan hinter dünner Gartenlaubenbretterwand. Ich versage an der Gesamtsituation. Ich bin überfordert und löse mich aus der Babsi, bin nichts wie runter von der Babsi als die gerade meint, es würde besser mit mir, bis gut und ruft, ich sollte nicht aufhören, wobei ich im hitzigen Kopfe nur immerfort denke, dass die Babsi nicht weiter so unerträglich komisch stöhnen soll, besser laut werden und gegen die Wand donnern, ihrer Schwester zurufen, dass die sich einkriegen soll und aufhören, und verschwinden. Ihre Geräusche sind sich in dem besagten Moment, was das Gestöhn der Mädchen angeht, ähnlich, nahezu identisch. Ich springe aus der Babsi in meine Kleidungstücke, und nichts wie raus ins gute Dunkel der Nacht vor der unheilvollen Gartenlaube. Die Turnschuhe nur flüchtig gegriffen laufe ich weg, einfach nur fort, die Strecke von Kühlungsborn/West über Bastdorf entlang der Ostseeküste bis in mein geliebtes Rerik hinein, und atme erst am Haff aus, in die deutlich angenehmere Morgendämmerung hinein, um auf der Bank am Haff endlich meine Socken anzuziehen, über wunde Sohlen, die Asphaltsohlen geworden sind, schwarz wie die überstandene Nacht. Ich komme gar nicht mehr zum richtigen Auszuatmen. Ich brauche Jahre, um mich vom Erlebten zu regenerieren. So sieht kein Sieger aus. So sieht kein Junge aus, von dem man sagt, das er das Geschlechtliche endlich angegangen ist, geschafft hat, was zu schaffen ist; in einem Mädchen drin sein, in deren Wunde stecken, sich in ihr zurechtfinden, umtun, vor und zurück mehr oder weniger lustvoll.

Bianca zeigt die lila Briefmarke kurz einmal her. Sie liegt auf ihrer flachen Hand. Sie hält die flache Hand dicht an ihrer Brust. Die Marke ist schön. Die Marke erregt mich, wie zu erwarten war. Bianca führt die Marke unterhalb meiner Nase entlang, beobachtet mich dabei, schaut mir dabei in die Augen, will sehen was für Riesenaugen ich mache. Das Licht der Taschenlampe sticht wieder meine Pupillen.

Das ist sie., sagt Bianca, lässt die Marke hinter ihrem Rücken verschwinden, fragt wie im Märchenspiel das Rumpelstielchen:
Was gibst du mir dafür?

Wir verhandeln nicht kurz noch lang. Ich bin bereit alle Marken Bianca zu geben.
Alle?
Alle!

Bianca ziert sich. Bianca benimmt sich wie aufgeblendet, wie von mir belastet, wie keine Sammlerin. Wir werden nach zähem Kampf handelseinig. Ich schiebe ihr meinen gesamten Markenstapel hin. Sie nimmt an und gibt sich gutgelaunt, ist plötzlich sehr albern, verschränkt die Arme, grinst mich breit an, sagt:
Was wenn ich sie dir nicht geben will?
Gib sie mir, sie steht mir zu.
Such sie doch.
Such sie doch., gluckst Bianca, macht mich wütend.

Ruckzuck bin ich um die Bianca rum, fahnde nach meinem Besitz, suche viel zu lange und ausgiebig. Gebe die Suche auf, finde die Marke nicht, bin am Kochen. Sitze in Vergeblichkeit. Ich finde nichts vor. Verfluche das Mädchen. Benehme mich gegen die Tauschpartnerin. Spürte, dass mir gleich Tränen kommen. Und Bianca lacht, wischt mir mit ihrem Schlafanzugsärmel die Tränchen weg, dassss ich aufhöre zu betteln, die Bianca anzuflehen, nicht weiter vertragsbrüchig zu sein, sondern die Bianca umschubse. Die kichert und gluckst in Wiederholung:

Such sie richtig.
Such sie richtig.

Ich suche und ich finde die Marke nicht. Die Marke bleibt unauffindbar, ist verschollen. Es ist absurdes Theater. Es ist an dem Stück absolut nichts mehr komödiantisch zu nennen. Es ist gemein wie lange sich die Bianca mir gegenüber so aufführt; der ich fast zwei Jahre jünger bin als sie; nicht gewohnt was eine derartig nebelhaft-abstrahierende Situationen anbelangt, derer sich die Bianca bedient; die den Raum und die Zeit, das Ziel und den Verlauf der Handlung unbestreitbar hält. Ich habe der Bianca meine Marken ausgeliefert. Sie verweigert sie mir frech. Die gemeinsame Bettdecke ist längst schon fortgeschleudert und zu Boden gegangen. Was hier zum schlechten Beispiel durch eine Tauschpartnerin abgezogen wird, ist nicht nur höchst unehrenhaft, es gehört sich nicht unter Philatelisten. Wir sind allein im Heim. Ich kann zu niemanden gehen, mich über die Bianca beschweren, den Fall der Köchin erläutern, dass die sich die freche Bianca schnappt, ihr die Leviten verliest, sie zurechtweist, in Kenntnis setzt, dass es im Tauschhandel Regeln gibt, die einzuhalten sind, sonst wäre ja reinste Anarchie ausgerufen.

Ich kriege plötzlich eine dermassen Wut auf die Bianca, dass ich die Bianca bei ihren Haaren fasse und dran zerre. Die schreit auf. Die nimmt mich in den Schwitzkasten. Ich wehre mich. Wir plumpsen vom Bett auf die Zudecke am Boden. Der Schwitzkasten wirkt. Ich bekomme keine Luft. Ich sterbe und die Bianca erlöst mich. Ich soll ihr versprechen, artig zu sein, unter die Bettdecke zurück zu schlüpfen, wo sie mit mir noch einmal über alles reden wird. Im vernünftigen Tonfall. Mit Manier und Anstand.

Gesagt, getan, sitzen wir unbewegt unter der Bettdecke. Es herrscht wieder das Licht der Taschenlampen. Meine Marken liegen bei der Bianca im Nachttisch verstaut. Ich sitze der Glucke gegenüber. Ich bewege mich nicht, ich werfe der Bianca nur abwertende Blicke zu. Blicke mit zusammengekniffenen Augenschlitzen, die ihr signalisieren sollen, dass ich nicht aufgeben werde bis die 35er-Walterulbrichtbriefmarke den rechtmässigen, neuen Besitzer gewechselt hat.

Komische Figuren dürfen sinnlos erscheinende Dinge tun. Komische Figuren ergehen sich im Extremfall, wie bei Beckett, in reiner Pantomime. Meine Drohungen sind zwecklos. Ich lasse dennoch nicht von meinen verkniffenen Augenlidern ab. Der Handlungsfaden ist bis zu seiner Unkenntlichkeit aufgelöst. Die Figuren sind ihrer Funktion beraubt. Ich bin der Bianca in deren Hände geraten. Ich bin ihr ausgeliefert. Ich bin lilasüchtig. Man spricht unter Fachleuten auch vom Theater der Grausamkeit, das die Bianca mit mir betreibt. Ich bin erschöpft. Ich bin ohne Chance. Ich bin so gut wie unterlegen. Der schöne Tauschtag rutscht ins Makaber-Gewalttätige ab.

Das Ende ist der Anfang, und doch machen wir weiter, heisst es bei Beckett.

Bianca lachte und zischelt:
Such sie.
Gib nicht so schnell auf.
Such, such, such.

Ich bündele meine Wut. Ich schubs die Bianca um, hebe sie an, werfe die Bettdecke zu Boden. Bianca lacht im Umkippen und geifert:
Du findest sie nie.
Niemand findet sie.

Was bleibt mir übrig. Sie wirft mich ab. Sie will Kaltheiss mit mir spielen. Ich gehe drauf ein. Ich bin da und dort mit meinen Händen. Ich suche die Bianca dort und hier zu umfassen und bin von dem Mädchen mit kälter, kalt, warm, heiss, heisser bald in die Richtung geführt, bald in die nächste gelenkt und lande schliesslich kurz vor dem Schockgebilde zwischen ihren Beinen. Wir halten ein. Bianca hat sich voll im Griff und sagt beherrscht zu mir:

Du wirst die Marke nur finden, wenn ich es will.
Ich bin die Königin.
Du bist die Königin.

Ich lehne mich nicht mehr auf. Ich spreche ihr nach. Meine stille Empörung ist Ausdruck einer existentiellen Dummsituation. Ich bin am Ende meiner Mittel angelangt. Mit wütender Kraftreserve setze ich mich noch einmal gegen die Bianca in Szene, kippe das Mädchen zum letzten Mal um, nehme alle Kraft zusammen, lange hin, wohin gelangt sein will, durchsuche ihr Mädchenhaar, schaue unter den Achseln nach, durchforsche die Rückenpartie, öffne Biancas Pobacken, werde nicht mit keiner Marke belohnt. Sie ist auf Nimmerwiedersehen verschwunden, steckt nirgends, nicht hinter den Ohren, im Mund nicht, nicht zwischen ihren Hand- und Fusszehen. Bleibt also nur noch diese Wunde, die schrecklich anzusehende, von der ich nicht weiss, ob da überhaupt hinein eine Briefmarke passt.

Ich schmolle. Bianca lenkt überraschend ein, schlägt einen Deal vor.
Du kriegst die Marke, wenn ich dafür was kriege.

Ich sage zu, egal was sie von mir will. Sammler sind risikofreudig. Sammler sind verrückt genug. Sammler sind auf Besitz orientiert. Sammler handeln kopflos und willig. Bianca bekommt was sie will, wenn ich dafür nur endlich meine Marke kriege.

Versprochen?
Versprochen!

Ich gebe meine Hand drauf, die Hand eines Sammlers.

Sie möchte einmal kurz meinen Penis berühren, der sich beim Ringen und Suchen mit der Bianca vor ihrer Wunde aufgerichtet hat und auf ihren Spalt wie ein Zeigestock weist, zwischen meinen Beinen ragt. Bianca holt die 35er-Walter-Ulbricht-Briefmarke sonstwoher hervor, legt sie zwischen vor mich aufs Laken. Ich bin von ihrem Anblick verzaubert. Bianca richtet das Licht ihrer Taschenlampe auf mein kleines Mitbringsel, setzt den Spot zwischen meine Beine, dass ich meinen Penis in Licht gerückt erlebe wie nicht so oft im Leben. Sie greift meinen Penis, betastet die Haut an meinem Glied vorsichtig, sucht die Haut nach hinten zu verschieben, was etwas schmerzt, mich aber nicht aufschreien lässt. Ich halte allen Schmerz aus, lasse die Bianca mich befummelt, die Haut behandeln, dass die Eichel zur Hälfte sichtbar ist.

Weiter geht es nicht.
Ich lass dich jetzt in Ruhe.

Sie legt die Briefmarke in mein Album. Sie sagt:

Jetzt du.
Na los.
Greif hin.

Ich will der Bianca nicht zwischen die Beine fassen. Ich will ihre Wunde nicht berühren. Ich weigere mich den Finger auflegen, wie sie meine zögernde Hand zu überreden sucht, mich anlächelt, den Zeigefinger an ihr Fleisch führt, ihn gegen die Doppelsteppnaht drückt, diesen Spalt, von dem sie sagt, dass er aufzuschieben geht, um dann meine Hand frei zu geben, die zurück schnellt wie als wäre mein Arm aus Gummi. Bianca ermahnt mich, niemanden davon zu erzählen. Wo denkt die hin, denke ich, wie werde ich eine derartige Peinlichkeit austratschen, damit angeben, ihre Wunde berührt zu haben.

Ich bin entlassen. Ich flüchte das Tauschbettenlager. Ich stürme den Flur entlang, die Treppenstufen runter, in meinem Zimmer, wo ich mich unter der Bettdecke meines Bettes verberge und fühle mich allein wie in all den vorherigen Kinderheimjahren nicht. Einzig die lila Marke wärmt mir die Hand. Ich fühle mein Glied schmerzen. Noch Tage nach dem Tauschtag, gehe ich nicht richtig.

Wenn mich das Geschehen unterhalb der Bettdecke auch verwirrt hat, so bin ich doch von unschätzbarem Vorteil in eine Sache involviert, die den Jungs, wenn sie eng beisammen stehen und tuscheln, Kopfzerbrechen bereiten. Man rätselt wie unter Bibelforschern darüber, wie die Mädchen zwischen ihren Beinen aussehen. Es werden heikle, abwegige, tollkühne Theorien geschwungen. Ich mische mich nicht ein. Ich habe der Bianca ein Versprechen gegeben.
Ich träume einmal nur von Biancas Wundspalt: ein fürchterlicher Alp. Ich erwache mit kalter Stirn, mitten in der Nacht. Mir ist speiübel, wie an der Weihnachtsfesttagestafell bei der Tischlereifamilie vor den Anfassern und Sossen zwei Jahre zuvor.

ICH PACKE AUS WEIL ES MIR BIS IN DIE SCHWANZSPITZE LANGT