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BAADER holst DIR hurtig. ein theaterspiel in dem ich als sc. HAAPY drin

BAADER holst DIR hurtig. ein theaterspiel in dem ich als sc.
HAAPY drin vorkomme


Kunst von sc.Happy
inseriert: 26.09.09
Hits: 2617

artdisc.org Media Bild

BAADER
holst
DIR hurtig

Wie ihr mich hier seht, bin ich tot. Ich bin nicht zu Hause, wenn ihr mich besuchen kommt. Nie mehr werde ich auf meinem Sofa sitzen. Ich bin unterwegs. Immer an den Wänden der Häuser entlang. Vor meiner Zeit wie in meiner Lebenszeit, in der Stadt Halle, so in Berlin. Ein Leben bin ich unterwegs. Mit den steigenden Lebensjahren bewege ich meinen Hintern immer häufiger durch die Nächte. Im Schutze der Dunkelheiten.

Tagsüber kann ich nicht in Ruhe unterwegs sein. Tagsüber bin ich immer in Hast und Hatz. Auf der Flucht. Immer in Angst vor all diesen Automobilen. Das ist geblieben. Diese Furcht ein zweites mal an- oder überfahren zu werden. Obwohl ich in den Tod gefallen bin, längst nicht mehr am Leben, habe ich Angst um meinen Zustand, den des jetzigen Todes. Der Tod ist nun mein Leben, sage ich mir und fürchte mich zugleich vor dem, was nach dem Tod für ein Tod kommen möchte.

Die Nacht, die nun mein Himmel ist, ich will sie nicht verlieren. Die Qualen, die ich Zeit meines kurzen Lebens ausgestanden habe, ich möchte sie nicht missen. Der Bürgersteigrand beginnt nicht am Rand des Bürgersteigs zur Strasse hin. Der Bürgersteigrand beginnt mit der Häuserwand. Die Häuserwand ist der Stadtrand. Ich bin auf der Flucht. Von mir selber weg und ruhelos sei ich unterwegs, sagt man von einem wie ich einer geworden bin.

Ich gehe nach dem Stück Leben wieder zur allerletzten Lesung. In nicht einmal 24 Stunden bin ich mausetot. Das heisst, ich bin nicht gleich tot. Oh nein. Es wird mir Aufschub gewehrt. Ich habe noch knapp eine Woche zu leben. Ich verunglücke ja nur. Ich falle in die Strassenbahn, dann falle ich in Koma. Liege im Krankenhaus. Von niemandem besucht. Einsamer nie.

Was die Sache pikant macht, ich habe keine Ausweispapiere dabei. Nix in meinen Taschen was auf mich schliessen lässt. Kinder, lernt daraus. Nie ohne Personaldokument. Habe nicht einmal meine Plastetüte mit den Manuskripten dabei, an denen sie hätten vielleicht erlesen können, dass ich ein Deutscher zumindest deutschsprachiger Autor bin, ein Bierliner.

In der Stadt halten sich eine Menge Leute auf, die von weither in diese Stadt eingeritten sind, weil eben erst die Mauer gefallen ist. Der gesamte Balkan ist hier. Leute, die wie ich aussehen. Männer, unrasiert wie ich, Viertagebartträger. Kerle, die wie ich nach Fremdheit und Flucht riechen, exakt wie ich gekleidet umgehen und an den Ecken ungern. Was wissen die im Krankenhaus von mir, dass ich mich in Absicht kleide wie ich rumrenne, extra so angezogen sein will, wie sich die in dieser Welt kleiden, die einfach nichts anderes zum anziehen haben als was sie auf dem Leib tragen.

Muse

Was die nur alle hier wollten? Wohin die alle gezogen sind?

sc.Happy
Dem Geld nach, das umgewertet werden muss. Verkauf, Ankauf, Umtausch, Prozente. Packen Ost gegen Packen West. Packen Süd gegen Packen Nordnord. Bis das neue Geld da ist, das alte Geld von drüben. Für alle Deutschen die gleiche bunte Knete an die Einheitstapete.

mBh
Und in dem Moment, wo es aus ist mit dem Ostgeld und die Westmark den Ton angibt, in dem Moment sterbe ich. Einsam. Unbesucht. Weg vom Fenster. Aufgelesen wie Pferdeäpfel, zusammengekehrt, auf die Trage gelegt, abtransportiert. Lange vor dem Taganbruch. An einem Tag ohne beginnenden Berufsverkehr. Keiner kriegt was mit von meinem Abgang. Keiner weiss was mit mir geschieht. Ich erst recht nicht. Ich gebe meinen Geist auf, muss ihn freigeben, aufsteigen lassen, das Vögelchen, den Batzen Spatzenhirn, wie man es ein wenig poetischer ausdrückt.

sc.Happy
Die vom Krankenhaus sehen nicht was du für einer ist, was los ist mit dir. Für die gibt es nichts weswegen man sich sputen sollte. Du siehst für die nicht aus wie ein wichtiger Mann, ein Manager, ein Diplomat. Die sehen in dir nur das was sie sehen wollen: einen Fremden, von der Strasse aufgesammelt.

Muse
Die verziehen ihre Gesichter. Die ziehen sich ihre keimabweisenden Unschuldshandschuhe über. Die hängen die Joppe in keinen Spind. Die kommen nicht auf die Idee, mit sonstwie langen Fingern wenigstens in die Joppentaschen deiner Muffeljacke zu fassen. Am ganz langen Arm entsorgen sie deine Hochwasserhose in einen Müllsack, schieben ihn mit einem Band zugebunden und mit einer Nummer versehen, von der sie wissen, dass es sie nicht braucht, beiseite. Einer wie du, wissen sie, hat keine Verwandten, die nachfragen kommen. Du musstest ihnen erst unter ihren Händen im Schoss wegsterben, ehe sie einen aus ihrer Mitte bestimmten, nachzusehen, ob da nicht vielleicht ein Hinweis in den Klamotten zu finden ist auf Name und Herkunft der Person. Dass man ihnen nicht ans Bein pisst, von wegen unterlassener Hilfeleistung.

sc.Happy
Sind schliesslich neue Zeiten angebrochen. Mit neuen Köpfen an alten Strünken. Einer zieht die Arschkarte. Findet rechts nix. Links nix. Holt aus der Innentasche auf Herzschlaghöhe den Zettel hervor. Aufgeschrieben von mir, deinem Kompagnon. Ort der Lesung. Uhrzeit und: falls etwas sein sollte, eine Telefonnummer für den Notfall, dass was dazwischen kommt, man weiss ja nie. Name. Nummer.

mBh
Da merken die erst, dass ich kein Rumäne bin. Da bin ich wenigspäter für die plötzlich keine unbekannte männliche Person mehr, was ich für die hätte ruhig bleiben sollen.

sc.Happy
Wenn da nur einer sich überwunden hätte haben mögen, ein Anruf und die grosse Familie wäre ins Krankenhaus eingefallen, sage ich dir, wie Heuschrecken. Vater, Mutter, Bruder, Freundin. Ich du er sie es wir ihr sie. Alle deine Groupies. Alle deine verschiedenen weiblichen Verhältnisse. Die dahingegangenen Lieben. Die nie aufgesprungenen Knospen. Die Jungs von der Band selbstredend.

Musiker
Mit einem Ständchen, leise, wild, traurig wie Hans Moser, wenn es sein soll.

Videogruppenbild im Chor
Wir, die Leute mit den grossen Wohnungen und heimlichen Postbriefkästen. Wir die Leute mit den schönen Küchen und Räumen und Kühlschränken und Ausruhliegen für dich. Wir alle wären an dein Bett gekommen. Wir alle hätten deine Bettstatt umstanden und geweint, und gelitten, und mit dir gefühlt, guter Freund. Wir hätten deine Wange gestreichelt. Wir hätten mit dir gesprochen. Wir hätten dir erzählt, was ohne dich draussen los ist. Und: Wir hätten dafür gesorgt, dass die da im Krankenhaus ihre Ärsche bewegen und Ballett machen, alles unternehmen, was zu unternehmen ansteht. Ein Pack sagen wir zu deiner Ärzteschaft. Aber was soll es. Jammer gilt nicht. Es ist geworden, was wurde. Es ist da auch nichts zu ändern im Nachherein. Es geht da nie was zu drehen. Das Leben strebt auf den Punkt zu. Alles wird wie von einer unsichtbaren Regiehand gelenkt. Wir starben mit dir. Das ist an uns zu ersehen.

mBh

Gedicht:
..

Ich bin wie gesagt nie zu Hause. Bin unterwegs. In der anderen Welt, in einer Stadt wie aus unseren Tagen. Immer an den Wänden der Häuser entlang. Inmitten meiner Zeit. Inmitten meiner Träume. Ich muss zur Arbeit wie jeden früh. Raus aus dem Bett, die Hände und Nasenspitzen unter den Wasserhahn, in die Klamotten hinein, ein Ei in der Pfanne gebraten, manchmal auch zwei, einen Brühwürfel in Heisswasser aufgelöst, dazu getoastetes Brot, fertig, ausgehfertig. Alles im stehn. Zwischen sieben und zehn. Wer an etwas glaubte wurde erschossen. Und dann nichts wie: Huschen. Gekrümmt wie der Glöckner über die Plätze und Bürgersteige und Kreuzungen. Auf die sichere Scholle. Ab in die Bücherbuchte. Die Tür hinter mir zugedrückt. Dasitzen. Lesen und auf die paar einzelne Besucher warten, die Verirrten, sie noch und nöcher fragen, was genau bitte sehr sie denn für ein Buch meinen. Die wenigsten haben exakte Vorstellungen. Ich meine, irgendwas von Kafka, sagen die. Das geht schon, geht aber irgendwie gar nicht. Irgendwas von Kafka sagen, ist wie im Milchladen irgendwas von der Firma Knabber haben wollen, möglichst was mit ohne Knochen dran.

Ich schweife ab. Besser wir simulieren das mal alles richtig durch. Ich kann warten, ich habe genügend Zeit.

sc.Happy
Du meinst, dass man am Ende wieder weiss, wie was gekommen ist und insgesamt vonstatten gegangen, um unausweichlich das zu werden, was Sache ist?

Muse
Nein. Nimmer. Den Toten lass ruhen! Davon dass wir wissen, wird einer nicht wieder lebendig. Mir reicht, was du für mich und andere auch darstellst. Was von dir zu lesen ist. Deine Bücher. Deine Texte. Was von dir übrig geblieben ist ohne den Kult an der Figur. Wenn es auch nicht vie gewesen sein mag, mir langt hin, was bleibt. Es langt mir hin. Ich will nicht Bescheid wissen, nicht haarklein ausgebreitet sehen, was wie genauso abgelaufen ist an einem Leben, wenn es die Kunst gibt zu der Person, die so sterblich ist wie ich sterblich bin.

sc.Happy
Jedwedes hat seinen Anfang, Wo ein Anfang ist, folgt das Ende nach. Wie bitter es im Einzelfall sein mag. Die Geschichte beginnt damit, dass ich von einem gehört habe. Es gibt da einen sagt einer zu mir, der ist was für dich. Das was du vorhast.

mBh
Was hattest du vor?

sc.Happy
Ich wollte nicht allein au der Bühne stehen. Nicht allein an einem Tisch sitzen und Texte lesen. Ich brauche Aktion auf der Bühne. Die Bühne kann ein kreis aus Menschen sein. Ich habe von Lyrik keinen Schimmer, das gestehe ich gern ein. Die Bühne ist besser ausgefüllt, wenn mehr als meine eine Person auf ihr agiert. Zwei Münder reden munterer als ein Lippenpaar. Vier Beine laufen geschmierter. Man steht nicht so allein herum, wenn einer mit von der Partie ist, mich wie du so oft am Kragen hat, mich rumschleudert, von hinten fasst, mich hündisch bespringt, mir lästig ist. Ich habe gehört, dass da einer existiert, der davon träumt bei geschlossenen Türen den Leuten vorzulesen. Unter stetig ansteigenden Innentemperatur. Dass es warm wird im Raum und wärmer bis heiss. Dass die Leute unruhig werden. Nicht mehr wissen, sollen sie noch zuhören, aufstehen, hohnlachend weglaufen, sich retten. Weil das, was der Kerl sich da ausgedacht haben mag, langsam kein Spass mehr ist, es mittlerweile unverschämt heiss im Raum ist. Zum Ersticken.
Die Fenster sind verbarrikadiert. Wenn in dem Raum an den Matti, wie ich ihn liebvoll nenne, überhaupt Fenster sind. Der Künstler hat längst Massnahmen getroffen, ist ungreifbar, tönt von oberhalb auf sein Publikumhernieder.

Gedicht
..

mBh
Liest seinen Text herunter. Erfüllt sein Pensum. Ist im Plan. Übererfüllt den Plan. Weilt unter den Zuhörern, wenn sie abdrehen, wegtreten, in Ohnmacht dämmen, keiner mehr folgen kann. Endet mit ihnen in der gleichen grossen Backröhre. Das körperliche, physische, unkörperlich sinnliche grosse Ende. Die letzte schöne Gemeinsamkeit.

Muse
Das gemeine Desinteresse in die tödliche Richtung gelenkt, meinst du. Zusammen mit seinen Zuhörern in den unausweichlichen Ausnahmezustand übertreten um eins u werden in den Schalen, die raunen? - kann nicht dein Ernst sein. Der Tod hat dir die Sinne verwirrt. Der Zusammenprall mit der Strassenbahn hat Spuren hinterlassen. Was hast du im Bereiche der nicht zu denkenden Katakomben der Mater verloren?

mBh
Das Verbotene an der Talfahrt lockt. Die so süssliche gemeinsame Abschlusspiste. Der Jordan über den wir mit unseren Kinderschlitten schiessen. Für den letztendlichen Genuss bin ich unterwegs. Im Kopf den terroristischen Traum von der Lyrik als Waffe. Die grosse Aktion ohne den geringsten Deuter.

Muse
Das bist nicht du. Das passt nicht zu dem Mann, den ich mit wundervollen Augen erinnere.

sc.Happy
Die Haut von Blässe gezeichnet, von Äderchen geziert, weiss ich ihn, Schwesterherz. Alabaster, den orientalischen Alabaster, wie er im alten Ägypten verwendet wurde. Die Varietät des Calcits mit der Härte drei. Für gewöhnlich weiss und durchscheinend, von dunklen Streifen geädert mit gleichmässiger, feiner Körnung. Körnung, die von festen Schlafphasen rührt. Keineswegs grossstädtisch genannt werden kann. An der Alabasterhaut sollt ihr den Dichter erkennen, heisst es. Das Dilemma lautet: Die Haut, die ihn als Dichter verrät. Und tief drinnen weiss er: Der Dichter darf im Leben nicht als Dichter zu erkennen. Der Dichter soll über das Leben hinaus bestehen, an seinem Werk erkennbar werden. Der beliebige Bürger, wann immer er mit einem Dichter in Berührung kommt, soll denken: Der da, ha, der ist ein Eilzusteller für Telegramme.
Bei Matti kommt es nicht zu der von ihm angestrebten Unauffälligkeit. Er bemüht sich darum. Angeblich. Er hält sich für einen einfachen Menschen. Er ist zu bemüht sich auffällig unauffällig zu kleiden, sprich hilflos kleidet er sich unorthodox an und erlangt als Typ erst dadurch Auffälligkeit.

mBh
Jeder Passant geht in seiner Gegend um wie ein Gottesurteil in Person. Jedermann geht davon aus, dass Gott durch ihn das göttliche Urteil fällt. Berlin ist als Stadt eine Sammelstelle von geduldeter Verschiedenartigkeit. Da läuft viel buntes Volk umher und verläuft sich. In Halle an der Saale, wo jeder jeden kennt, hält man mich meiner Kleidung wegen für einen Spinner, Aussenseiter, gelinde gesagt: für einen Menschen, der nicht so recht ins Stadtbild passen will. Ich bin alles andere als ein Modegeck. Ich bin nicht das umher laufende Stadtoriginal. Jeder Gang durch die Stadt ist für mich eine Feuerprobe. Blicke entzünden sich an meinem Outfit. Die Gaffer heizen mir ein. Alles was an Meinung zu mir gefällt wird, ist Zweikampfentscheidung. Gegen oder gegen. Dazwischen gibt es nichts. Darüber geht nicht. Drunter können die Leute allemal. Tiefer, fester, gemeiner. Was nicht zur Masse halten will, sucht man auf allen Vieren zu sehen. Hände und Füsse sollen brennen. Auf Stumpen, Ohne Finger ohne Zehen. Erst dann ist einer denen ein guter Mensch.

Kann sein: Vielleicht trage ich zu viel Wasserstandshose? Vielleicht hätte ich mir die Augenbraunen nicht rasieren sollen? Vielleicht steht mir ein T-Shirt besser als die nackte Haut unter breiten Hosenträgern in diesem rauhen Jackett? Vielleicht. Take at easy. Fuck off. Ich will mich aufführen und anziehen können, wie es mir einschiesst. Die Realität lässt da nicht viel zu an Varianten. Ich will nicht Reklame für mich laufen. Ich will unter Menschen sein, meine kleinen Runden gehen, nicht Spiesserroutenlaufen wie andere joggen zur Hatz frei gegeben sein. Wie präsenter denn hätte ich im Leben sein dürfen, bis sich die Passanten an einen wie mich gewöhnen, sich an mein Aussehen die Äuglein genügend gerieben haben, dass sie mich nehmen wie ich nicht zu werten bin.

Videozitat
Da da dichtet soll

sc.Happy
Man kann zur Prüfung den zu Prüfenden auch mit kochendem Wasser konfrontieren, ihm abverlangen, einen Stein aus dem kochenden Wasser heraus zu holen. Man kann jemanden gefesselt ins Wasser werfen. Geht er nicht unter, ist er schuldig zu sprechen. Es ist wie ein Stück des Weges über rotglühende Eisen gehen. Barfuss laufen. Mit verbundenen Augen tasten. Ist der Glühteppichgänger unverletzt, wird er für unschuldig erklärt; ist er verletzt, gilt er automatisch als schuldig.

Lied
Baader führt seine Manuskriptseiten in keiner ledernen Tasche mit sich. Baader schleppt seine Gedichte in schneeweissen, unschuldigen, von Werbung freien Einkaufstüten herum. Baader führt die Manuskripte aus wie Hundebesitzer ihre Hunde beim Gassigang ausführen. Baader braucht seine Manuskriptseiten nicht. Baader hat al seine Texte nach Jahrgängen im Kopf versammelt. Baaders Kopf ist ein tolles Haus für wilde Zeilen. Ein kindlicher Hort. Die Manuskripte, die Baader in der Tüte aufbewahrt, sind für den Fall, dass ihm einer über den Weg läuft, der vielleicht ein interessierter Verleger ist, ein Mann von Fach, der sich der Texte annehmen wird, ein Buch daraus zu formen und sagt, dass er dazu auch bereit genug ist. Man erkennt sich im Gehege. Man ragt unter gleichgerichteten Passanten immer ein wenig heraus. Der Dichter bleibt in welcher Tarnung auch immer als Dichter zu erkennen.

mBh
Ich will zur Lesung. Ich kann nicht Auto fahren. Hab nun mal keine Fahrerlaubnis, keinen Führer-Schein. Lehne das ab wegen dem Wort Führer in dem gesamten Begriff. Stehe an der Strasse. Halte ein Auto an. Man nimmt mich mit, fragt nebenbei, was ich sonst so mache. Sonst so? Ich sage frei heraus, dass ich Lyriker bin wie andere Metaller. Der Fahrzeugführer hält an: Was bist du für einer, schreit er, ist um den Wagen rum, packt mich, versetzt mir eins, setzt mich aus, braust ab und davon.

Die Leute werden seltsam, wenn ich zu denen was von Lyrik sage, dass ich Lyriker bin, Lyrik schreibe, es mit Gedichten habe. Was ist denn das fürn Zeugs, erregen die sich. Lyrik, wie als hätte ich die Pest oder würde denen was antun wollen. Also sage ich, wenn sie mich fragen heutzutage, dass ich Schrammelmusiker bin statt Dichter und verdammt noch mal aufs Land muss, zur Hochzeit, zur Firmenfeiern, dem Hausgartenfest, munter aufspielen, sich für die Leute produzieren.

Musiker muss es geben, sagen die Leute und fahren mich so weit sie können zur Mucke hin.

Muse
Sie sind nicht nur stark verunsichert, sie erkennen die Andersartigkeit Baaders sofort und sie erkennen diese partout nicht an. Sie schütteln ihre Häupter, wenn sie nicht die Faust ballen, ihre gestreckten Arme drohend zeigen. Dabei ist der einzelne Mensch, den die Masse als ein nicht zu ihnen passen wollendes Individuum aburteilen, nimmer der, den sie sich ausmalen. Die Verunglimpfer wissen von dem Menschen nicht, den sie verunglimpfen und am liebsten weggemacht sehen wollen.

mBh
Was war ich für einer?

Muse
Du bist unter denen, die sich an dich erinnern und Frauen sind, als ein besonders sanftmütiges Wesen beschrieben. Dein Gesicht seufzen verschiedene Damen, pure Konzentration spräche aus ihm. Man spürt dem Gesicht Last an und Freude am einfachen Gedanken.

sc.Happy
Ich halte dich für einen Mittler. Den Kontaktbeauftragten im eigenen Auftrag. Einer, der unerschrocken zwischen sich feindlich gegenüber stehenden Welten zu vermitteln sucht. Schule und Leben. Phantasie oder Realität. Du jonglierst mit den Keulen des bitteren Spasses.

mBh
Ich bin nackt, das Kind, das Lamm, die nackte Schnecke. Ich habe nichts weiter an mir als meine Zeilen, der nackte Stoff über der Haut des Kaisers, den man nicht sieht.

Muse
Deine unsichtbaren Kleider, man kann sie lesen, auswendig lernen, vor sich hinsagen an einem See, auf einem Baumstamm sitzend; und Schmetterlinge flattern zu deinen Zeilen: Du in London / ich im Leichenschauhaus / ein jeder wohl an seinem Platz. / Ich gab mich hin / Du last die TAZ.

sc.Happy
Der nackte Mensch ist dem Menschenbild immer noch am ähnlichsten. Die Unterschiedlichkeit von menschlichen Wesen gibt es nur bei den Einpeitschern von Unterschiedlichkeit und Rasse. Wahnsinnige Leute, die auf Abschottung aus sind. Berechnende Gauner, die anrücken, die Unterschiede im Aussehen absichtsvoll ins Feld wuchten, weil sie Menschenjäger sind, weil sie Menschen zur Strecke bringen müssen; und alles daran setzen, das Fremde zu merzen, auszuradieren. Verbohrt und anmassend wie sie sind. Das Mass all ihrer Wertung. Nichts anderes als ihr denken, leben, handeln, sein zählt unter den Leuten ihres Schlages. Einzig was sie sind und von sich im Spiegel sehen, wird unter ihnen hoch gehandelt. Ob sie nun fett sind, herrisch oder feist reden, unrasiert und frauenfeindlich sind, was sie als Wert setzen ist ein liebes Kind, eine gute Frau, ein Kerl mit Mumm unter Ihresgleichen; ohne Widerrede als Norm gesetzt.



FAST SOETWAS WIE SCHULLEKTÜRE auf jeden fall NICHT FÜR ALLE GEEIGNET