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MANIFEST AN TERRORISTEN. Theodorakis öffnet dem Terrorismus Haus und

MANIFEST AN TERRORISTEN. Theodorakis öffnet dem Terrorismus
Haus und Fenster


Kunst von sc.Happy
inseriert: 20.11.09
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Meine persönliche Freiheitsstatur

Quermann, Biermann, Schalk, Klier, Schabowski, Radomski, Schöbel oder Mausur - ach wie sie alle heissen, unsere in die Jahre gekommenen, so deutsch wie friedlichen Revolutionshelden aus der Dä-Dä-Ära, aus unser aller nicht sonderlich ruhmreichen Zeiten:
Mir ist kein Akt von solch erhabenen Mut und poetischer Grösse bekannt geworden wie der jüngst von Mikis Theodorakis bewiesene.

Von uns Pappkameraden kann dem Komponisten niemand das Wasserglas der Freiheit reichen.
Ich reiche ihm herzlich die Hand.
Die gleiche Hand, die ich Angela Davis drückte.
Die Hand, die ich Allende und Corvelan gereicht hätte.

Der grosse Mikis, der mich Kleiner Dichter nennt und so viel, viel grösser, stärker, geistreicher und mutiger ist als ich und meine Leute je waren, sind, sein werden (und glühend), bis ans Lebensende und weit über seine Lebenstage hinaus!
Mit gar nicht bangen, wild klopfenden Herzen unterzeichne ich die eben von Mikis Theodorakais an zwei terroristische Organisationen gerichtete Kampfantwort auf das Manifest, in dem sie ihn persönlich anzugreifen suchen und zum Ziel ihrer Aktionen erklären:

Öffentliche Reue-Erklärung an die Vereinigung der Zellen des Feuers und die Terroristische Partisanengruppe.

Meine jungen Helden, ich bin stolz auf Euch!
Ihr seid die wahren Nachfahren unserer Nationalhelden Kolokotronis, Androutsos und Aris Velouchiotis. Und darum auch die letzte Hoffnung unseres verratenen Volkes. Mit Eurer mutigen öffentlichen Verurteilung meiner Person habt Ihr mir die Augen geöffnet.
Ich gestehe, wenn auch zugegebenermassen sehr spät, dass ich ein Verräter war, ein Kollaborateur der Junta und der volksfeindlichen Rechten, und jetzt sehe ich reumütig meiner gerechten Strafe entgegen.
Mein Haus steht in einer kleinen Nebengasse der Garibaldistrasse, in der Epifanous 1. Von dem Zimmer aus, in dem ich mich gewöhnlich zum Schlafen hinlege, schaue ich auf den Hang des Philopappous-Hügels, und es wird für Euch ein Leichtes sein, vom Hügel aus einen Brandsatz zu werfen, mich damit zu töten und mich so von den Gewissensbissen, die mich plagen, zu befreien.
Ich werde, um Euch dabei behilflich zu sein, die Fenster weit offen stehen lassen, auch auf die Gefahr hin, dass ich mir dabei eine Grippe hole.

Aber wegen solcher Nebensächlichkeiten braucht man sich wohl keine Gedanken zu machen, wenn man es mit terroristischen Bestrafern zu tun hat?
Je vous remercie.
Mikis Theodorakis. Athen, 17.11.2009.

P.S. Armer Papadopoulos, wo bist Du, Dich Deiner Saat zu erfreuen?

Foto:
Der Autor Peter Wawerzinek verneigt sich
in der Stadt Athen
vor dem grossen griechischen Komponisten
Mikis Theodorakis.

und was bitteschön soll das gerede um henry und irlands fussball und die hände gottes der weltrevolution förderlich sein...