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Karl Siegel

Kunst von Karl Siegel
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inseriert am 08.04.18
Hits: 634

Der „Handlungsraum“ des Fügsamen

Bereits seit Goethes Zeiten ist bekannt, dass nichts auf der Welt ungerechter verteilt ist als der Ruhm. Bekannt ist aber auch, dass es Künstler*innen gibt, deren Position im Kunstbetrieb sich weniger den eigenen Hervorbringungen verdankt, als vielmehr ihrer langjährigen Lebenspartnerschaft. Künstler*innen, die einen abgebrühten Kunstgänger zur Seite haben, der sich wohlfeil im hedonistisch-merkantilen Kunstsystem mit glamouröser Reichenbespaßung zu bewegen pflegt, sind bei der Etablierung ihrer Arbeiten ganz klar im Vorteil. Selbst der Erwerb einer Pensionsberechtigung ist mit einer ebenso jovialen wie professoralen Beeinflussungspotenz als Lebenspartner keine besondere Herausforderung mehr.
Haben diese Beziehungsgewinnler*innen erst einmal eine Funktion im Lehrkörper einer Hochschule übernommen, gerieren sie sich ganz unverhohlen als Kunstwärter*in und fühlen sich bemüßigt, den gesellschaftlichen „Handlungsraum“ der Gegenwartskunst ausgerechnet jenen Künstler*innen erklären zu wollen, die überhaupt nicht darauf erpicht sind mit den bestehenden Verhältnissen d’accord zu gehen. Ihnen ist offenbar völlig entgangen, dass es noch Künstlerinnen und Künstler gibt, die ihre Arbeit als Widerstand gegen die falsche gesellschaftliche Realität wohlkalkuliert einsetzen. Und wer zudem auf die Überwindung von Entfremdungserfahrung zielt, denkt eh nicht daran, sich in zeitgeistwendiger Unterwürfigkeit mit raumbezogenen Applikationen zu beschäftigen.
Wenn nun aber Künstler*innen aus persönlichen Beziehungen karrierefördernden Nutzen ziehen und dazu noch die Deutungshoheit über den „Handlungsraum“ der Kunst für sich beanspruchen, ist kaum anzunehmen, dass sie selbst eine performative Widerspenstigkeit entwickeln, mit welcher die stille Zensur kulturindustrieller Hegemonieverhältnisse zu durchbrechen wäre. Im Gegenteil, sie verfahren stattdessen nach dem jahrhundertealten Motto: „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, und sind stets dort zur Stelle, wo die Kunst als Türöffner für Wirtschaftsinteressen zweckdienlich ist.
Da es in Zeiten des Neoliberalismus ohnehin keinen weiterführenden gesellschaftlichen Diskurs über die kulturbetrieblichen Widersprüche mehr gibt, und das Kapital die Definitionsmacht über die Kunst längst okkupiert hat, ist es für jene staatlich alimentierten Künstler*innen ein Leichtes, sich behaglich in dem einzurichten, was sie den „faktischen politischen Raum“ nennen. Hier haben sie stets das Gewöhnliche, bereits Vorhandene im Rücken; hier bedienen sie sich wie im Gemischtwarenladen, um jedes beliebige Material, jedes beliebige Medium für bedeutungsgeladene Interventionen und Installationen nutzbar zu machen. Eine Nutzbarmachung, die, in der Heteronomie dienender Kunst verharrend, aus einem Bewusstsein sich speist, das den Gegensatz zwischen harmonischem Schein und dissonanter Realität als wirkliche Problematik ignoriert. Und wenn in diesem Kontext dann das Private oder Persönliche und dem Politischen verknüpft wird, ist dies eher dem Willen zur Selbstbevorteilung als dem zum sozialemanzipatorischen Handeln geschuldet.
Ihre Hervorbringungen geraten so zum Souvenir des gelebten Lebens oder eben einer bestimmten Markt- oder Sammlungskonformen Haltung. Wobei unstrittig ist, dass sich die unter den Prämissen der Beliebigkeit fabrizierten Arbeiten ganz vortrefflich als „Handeln im Diesseits“ umschreiben und im Stil neomystischen Kunstkataloggeschwurbels einem gewogenen Publikum zelebrieren lassen. Das ist genau der gesellschaftlich affirmative Hintergrund vor dem sie unermüdlich bemüht sind „Dinge zusammen zu fügen“ oder dort „einzupassen“, wo mit dem ästhetischen Populismus als Scharnier scheinbar Wundersames bewirkt wird.
Solche Künstler*innen brauchen weder Prinzipien noch Überzeugungen, um mit sich und ihrer Arbeit im Reinen zu sein. Zwar beherrschen sie nichts Spezielles, behaupten aber doch das Monopol auf die Stupidität ihrer von „Fügungen“ bestimmten Bilder- und Formenwelt zu besitzen, um diese im interessendominierten „Handlungsraum“ problemlos exponieren und veräußern zu können.


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